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Preview: Tomodachi Game

30. Mai 2022

Auf der Oberschule ist für viele Jungs und Mädchen eine Freundschaft wichtiger als alles andere. Doch wie gut funktioniert eine vertrauliche Freundschaft, wenn diese plötzlich wortwörtlich aufs Spiel gesetzt wird? Damit beschäftigt sich der neue Psychological-Thriller-Anime Tomodachi Game, der seit dem 5. April 2022 auf Crunchyroll in der diesjährigen Frühjahrs-Season mitmischt und zwischen fünf unzertrennlichen Freunden einen Keil treibt. Patrick Snir

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Eine lange Freundschaft droht zu zerbrechen

Yūichi Katagiri ist kein Junge, der von Ruhm und Reichtum überschüttet wurde. Stattdessen muss er sich ins Zeug legen und hart arbeiten, um bei der gemeinsamen Klassenfahrt nächsten Monat teilnehmen zu können. Nicht mitzufahren ist keine Option für ihn, denn schließlich hat er das seinen vier besten Freunden auf der Oberschule versprochen, die für ihn wichtiger als alles andere auf dieser Welt sind. Dank Shiho Sawaragi, Tenji Mikasa, Makoto Shibe und Yutori Kokorogi gelingt es Yūichi seinem tristen Leben wenigstens etwas Farbe zu verleihen und nicht in Verzweiflung unterzugehen. Jedoch wird deren harmonische sowie unzertrennliche Freundschaft plötzlich aufs Spiel gesetzt.

Nachdem auch Yūichi das nötige Geld beitragen konnte, wurde der von allen Mitschülern eingesammelte Betrag für die Klassenfahrt von einer unbekannten Person gestohlen. Selbsterklärend fällt Yūichi ins Visier seiner Mitschüler – wer, wenn nicht der „Arme“ aus der Klasse, könnte sonst in Frage kommen? Die Tage vergehen, während eines Abends sich mysteriöse Ereignisse häufen, als Yūichi angeblich einen Brief von Sawaragi erhält, in dem sie um ein Treffen am selben Abend bittet.

Besorgt eilt Yūichi zu ihr, aber anstatt sie allein zu treffen, entdeckt er seine gesamte Freundesgruppe am Treffpunkt, nachdem sie ebenfalls einen Brief erhalten haben. Als sich herausstellt, dass sie ihm den Brief gar nicht geschrieben hat, wird die Gruppe angegriffen und entführt. Ab diesem Zeitpunkt ändert sich alles und Yūichi und seine Freunde werden in ein mysteriöses Spiel um Geld verwickelt, bei dem sie sich entscheiden müssen, ob Freundschaft oder Geld wichtiger ist.

Bild und Animation

Tomodachi Game basiert auf dem Manga von Autor Mikoto Yamaguchi mit Zeichnungen von Mangaka Yuki Sato und entsteht unter der Regie von Hirofumi Ogura im noch neuen Studio Okuruto Noboru, das bisher für Adaptionen wie The Hidden Dungeon Only I Can Enter oder die zweite Staffel von How Not to Summon a Demon Lord verantwortlich war. In Japan startete die Ausstrahlung am 5. April 2022, während die Anime-Serie hierzulande bei Crunchyroll im Simulcast läuft.

Passend zum Genre von Tomodachi Game präsentiert sich die Anime-Adaption überwiegend in tristen und gesättigten Farben, die das Setting zu einem tragenden Schauplatz für die Handlung machen. Für eine gewisse lebhafte Abwechslung sorgen insbesondere Rückblenden, die nicht nur essenziell für die Handlung sind, sondern zusammen mit frischen, dynamischen Akzenten und dem Cinematic-Look (im Cinemascope-Format) ein rundum wertiges Bild abgeben.

Das Charakterdesign von Satomi Miyazaki hält sich sehr strikt an das Original von Mangaka Yuki Sato und sticht durch seine akkuraten Konturen hervor, wenngleich die Darstellung sehr vereinfacht ist. Mit einem strengen Auge  habe ich das GCI-Design von Manabu betrachtet, jedoch lässt sich nach den ersten Episoden sagen, dass es eine gute Entscheidung war.

Nicht nur, weil sich Manabu damit stark hervorhebt und als Spielleiter eine zentrale Rolle einnimmt, sondern auch, weil sich sein Charakterdesign wunderbar ins Bild einfügt, ohne störend ins Auge zu fallen. Zudem wird die Animation nicht wirklich beansprucht, weiß aber schon mit flüssigen Bewegungen im Bild zu überzeugen.

Synchronisation und Musik

Derzeit ist Tomodachi Game ausschließlich in der japanischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln bei Crunchyroll verfügbar. Der japanische Sprechercast ist dabei beträchtlich mit vielen erfahrenen und unter anderem bekannten Stimmen, wie etwa Minami Takayama als Manabu (jap. Stimme von Conan Edogawa aus Detektiv Conan), bereichert. Im Anime spiegelt sich die erwartete Leistung wider und gefällt besonders durch das gute Voice Acting. Die Stimmen passen darüber hinaus zu ihren jeweiligen Charakteren, schöpfen deren Eigenschaften aus und sind synchron zu deren Lippenbewegungen.

Etwas mehr erhofft hätte ich mir von der von Michiru komponierten Musik. Zwar gibt es Sequenzen, die mit opportunen Soundtracks das Geschehen untermalen und tragen, allerdings ist die Musik im Großteil mehr passiv und lässt die Dialoge im Vordergrund.

Das Opening (Double Shuffle von Nana Mizuki) hingegen ist ein rhythmischer Ohrwurm mit einführenden Szenen, während das Ending (Tomoshibi von saji) den rockigen Ausklang jeder Episode überwiegend mit Standbildern bildet.

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Fazit

Tomodachi Game ist bislang eine Anime-Serie, die kein großes Publikum gefunden hat. Auch kein Wunder, nachdem bereits die erste Episode sehr viel zu wünschen übrig ließ und ohne Prolog ins Geschehen startet. Erst von Folge zu Folge wird das Pacing angenehmer und zieht so die Aufmerksamkeit auf sich. Die Freundschaft der fünf Protagonisten ist dabei der Dreh- und Angelpunkt dieser Handlung, deren Hintergründe ebenfalls eine große Rolle spielen und hervorragend eingesetzt werden.

Das größte Problem von Tomodachi Game sind leider die Charaktere, die sich mit ihren jeweiligen Eigenschaften und dem gegenwärtigen Vorgehen nicht real anfühlen. Es fehlt leider an jeglicher Empathie, um die Charaktere als liebenswert beschreiben zu können. Darüber hinaus ist nach der ersten Hälfte keine Charakterentwicklung zu erkennen, weil alle Figuren verschlossen sind und ausschließlich die Rückblenden für sich sprechen lassen.

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Die Hauptstärke der Anime-Serie liegt wiederum in der Hauptfigur Yūichi Katagiri, der die Story aufgrund seiner Tiefe, Komplexität und verwirrenden Persönlichkeit zum Tragen bringt und damit das Gerne aufleben lässt. Durch ihn wird der Anime lebendig und verleiht so der Handlung eine gewisse Originalität.

Ohne Frage ist Tomodachi Game ein guter Psychological-Thriller-Anime, wenn man diesem trotz der trüben ersten Episode eine Chance gibt und ohne große Erwartungen ins Geschehen eintaucht. Dafür überwiegen die spannende und einzigartige Handlung der Serie, die gängigen und überraschenden Plot-Twists sowie die solide visuelle Umsetzung.

Kurzfazit

Egal ob für Fans von Survival-Dramen wie Squid Game, Alice in Borderland, Danganronpa oder spannenden Psychological-Thrillers – Tomodachi Game ist trotz seiner anfänglichen Schwierigkeiten eine klare Empfehlung und überzeugt durch seine originelle Handlung.

Bilder: ©Mikoto Yamaguchi, Yuki Sato, KODANSHA/ “Tomodachi Game” Production Committee.

Pro

  • originelle Handlung
  • gut abgestimmtes Bild
  • besondere Hauptfigur

Contra

  • andere Charaktere teils ohne Charme
  • Musik eher passiv
vorläufige
Bewertung:
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