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Review: ID: INVADED – Volume 1 [Blu-ray]

25. Juli 2021

Inception trifft auf Detektivgeschichte. peppermint anime sicherte sich die Rechte an ID: INVADED und veröffentlichte am 1. Juli 2021 das erste von insgesamt drei Volumes. Tauchen wir also in die Psyche von Serienkillern ein und ergründen deren Unterbewusstsein… Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Eine zerbrochene Welt

Ein Mann erwacht ohne Erinnerungen an einem ihm unbekannten Ort. Bevor er sich darüber groß den Kopf zerbrechen kann, fällt sein Körper plötzlich auseinander. Nachdem er zumindest die meisten Teile seines Körpers wieder gefunden und zusammengefügt hat, bemerkt er, dass er nicht alleine ist. Ein Mädchen liegt in einer Blutlache. Tot. Seltsamerweise bringt der Anblick der Leiche einige Erinnerungen zurück. Der Name des Mädchens lautet Kaeru und bei dem Mann handelt es sich um Sakaido, einen Meisterdetektiv.

An viel mehr kann sich Sakaido allerdings trotzdem nicht erinnern. Nur an seine Aufgabe in dieser Welt: Den Mord an Kaeru aufzuklären! Doch das gestaltet sich als schwieriger als gedacht, da die ganze Umgebung einem Puzzle gleicht, das in seine Einzelteile zerbrochen ist. So muss Sakaido aufpassen, dass er nicht selbst in den Abgrund stürzt. Zusätzlich ist der Mörder selbst ganz nah und nicht nur er, auch eine weitere Person befindet sich an diesem Ort. Und vor dieser scheint sogar der Killer Furcht zu empfinden…

Die Psyche eines Killers

Mittels einer speziellen Maschine, dem Mizuhanome System, ist es einem speziellen Ermittlerteam namens Kura möglich, in das Unterbewusstsein eines Mörders einzutauchen und so dessen Tötungsabsichten zu ergründen. Genau in dieser virtuellen Welt befindet sich Sakaido, um die Identität des Killers herauszufinden. Eine Schwierigkeit ist jedoch, dass Sakaido jedes Mal, wenn er in diesen Brunnen eintaucht, seine Erinnerungen verliert und deswegen immer von vorne anfangen muss, sollte er in der virtuellen Welt sterben und wieder in der Realität erwachen.

Jene Personen, denen es möglich ist, diese Maschine zu benutzen, werden als Meisterdetektive bezeichnet. Doch um diese Fähigkeit zu erlangen, gibt es eine ganz spezielle Bedingung: Jeder Meisterdetektiv muss bereits selbst jemanden getötet haben. Und so liefern sich Kura und die jeweiligen Killer einen Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es darum geht, den Mörder zu schnappen, noch bevor es weitere Opfer gibt.

Bild und Animation

ID: INVADED ist ein Original-Anime, der unter der Regie von Ei Aoki im Studio NAZ (unter anderem bekannt für My First Girlfriend Is a Gal und Hamatora The Animation) produziert wurde. Das Drehbuch stammt von Outarou Majou. Die japanische Erstausstrahlung der insgesamt 13 Episoden begann im Januar 2020 und endete im März 2020. Im deutschsprachigen Raum lief der Anime in der OmU-Fassung beim Video-on-Demand-Anbieter Wakanim im Simulcast. Für den Disc-Release sicherte sich peppermint anime die Lizenz. Das erste Volume, welches die ersten fünf Episoden enthält, erschien am 1. Juli 2021. Insgesamt sind drei Volumes geplant.

Die Welten innerhalb des Brunnens folgen ihren ganz eigenen Regeln und keine Psyche gleicht der anderen. Dies wird in der Animation treffend zum Ausdruck gebracht. Dadurch gestalten sich die Folgen abwechslungsreich und originell. Bei den Kamerashots ist ebenso erkennbar, dass sich die Macher spezielle Gedanken darüber gemacht haben. Das einzige Manko in Bezug auf die Animation ist die Vielzahl an verwendeten Standbilder, wodurch die Serie etwas undynamisch wirkt. Die Actionszenen selbst sind hingegen flüssig animiert. Das originale Charakterdesign von Yuuki Kodama, die anschließend Atsushi Ikariya animierte, besitzt einen ganz eigenen Stil. Doch während einige der Hauptcharaktere originell gestaltet sind, stechen andere nur wenig hervor und wirken eher blass.

Deutsche Umsetzung und Musik

Für die deutsche Umsetzung ist die Synchronfirma @alpha Postproduktion in München zuständig. Die Dialogregie führte Daniel Schlauch. Die ersten fünf Episoden gestalten sich bereits als sehr überzeugend, was die deutsche Synchronisation angeht. Die Stimmen passen allesamt zu den Figuren und insbesondere Dominik Auer als Sakaido bringt dessen kühlen und doch teils einfühlsamen Charakter gut zum Ausdruck. Selbstverständlich ist auf der Disc zusätzlich die japanische Originaltonspur mit deutschen Untertiteln vorhanden. Diese kann ich ebenfalls nur jedem empfehlen, da hier nicht nur ein bekannter, sondern vor allem ein wirklich fähiger Sprechercast am Werk ist.

Für die Musik zeichnet der polnische Komponist Slavek Kowalewski verantwortlich. Die Stücke sind atmosphärisch und den unterschiedlichen Welten angepasst, dafür aber nicht sonderlich eingängig und für meinen Geschmack teilweise noch zu dezent. Vollkommen überzeugen können hingegen die Insert-Songs, die meist von dem bekannten J-Pop Sänger Miyavi (der zusätzlich das Ending “Other Side” singt) stammen. Das Opening “Mister Fixer” ist hingegen von dem Mangaka (!) Sou. Sowohl OP als auch ED sind musikalisch gelungen und die Animation fängt die Surrealität der virtuellen Welten wunderbar ein.

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Fazit

ID: INVADED wirft einen direkt ins Geschehen hinein. Man ist also genauso verloren wie Sakaido und muss sich erst einmal selbst zurechtfinden. So dauert es eine Weile, bis Licht ins Dunkel gebracht wird. Die meisten Begriffe muss man sich ebenfalls selbst aus dem Kontext zusammenreimen. Wer also schnelle Antworten und Erklärungen sucht, ist hier falsch beraten.

Die Animation hat mich persönlich von der ersten Sekunde begeistert und direkt in die Serie hineingezogen. Zwar kommen mit dem Fortschreiten der Episoden einige Schwächen zum Vorschein, wie beispielsweise die teils leblos wirkenden Standbilder, doch ist die Bildgestaltung dennoch insgesamt als gelungen zu bezeichnen. Allen voran natürlich die interessant wie skurril präsentierten Welten sind das, was den besonderen Reiz von ID: INVADED ausmachen. Die Musik ist auch an die Verschiedenartigkeit der virtuellen Welten angepasst, meist fällt sie aber nicht sonderlich auf. Dafür können die Insert-Songs umso mehr begeistern. Die deutsche Synchronisation steht dabei dem japanischen Original in nichts nach.

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Die ersten fünf Folgen behandeln fast alle einen eigenständigen Fall, in denen der jeweilige Mörder identifiziert werden muss. Das Pacing funktioniert hier sehr gut. Viele Hinweise sind vorhanden, jedoch werden sie sehr subtil präsentiert. Wer allerdings gut aufpasst, kann selbst auf die Lösung kommen. Daneben wird ein übergeordneter Fall angedeutet. Letztlich bleiben aber noch viele Fragen offen, insbesondere was die Hauptfigur selbst betrifft. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Serie weiterentwickeln wird und ob sie das hohe Niveau dieser Episoden beibehalten kann. Als Randbemerkung: Da das Unterbewusstsein von Serienkillern dargestellt wird und Mord generell an der Tagesordnung steht, schreckt der Anime nicht vor einer teils graphischen Gewaltdarstellung zurück. Vielleicht entspricht dieser Umstand nicht jedem Geschmack.

Kurzfazit

ID: INVADED gestaltet sich als origineller Anime, der von der ersten Episode an begeistert. Vorhandene Schwächen werden durch das interessante Konzept der Welten, die das Unterbewusstsein von Mördern darstellen, kompensiert.

Bilder: ©IDDU/ID:INVADED Society

Pro

  • spannende und originelle Story
  • interessante Figuren
  • skurrile Animation der virtuellen Welten

Contra

  • exzessive Gewaltdarstellung nicht für jeden
  • Standbilder
  • teils unauffällige Musik
8.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik:
Themen:
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