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Preview: The Case Study of Vanitas

15. August 2021

Paris im 19. Jahrhundert: Nach einem verheerenden Kampf zwischen Vampiren und Menschen haben sich die Vampire zum größten Teil aus der Menschenwelt zurückgezogen. Doch ein ominöses Buch lockt sie nun wieder aus dem Verborgenen hervor… Seit dem 2. Juli 2021 können wir in The Case Study of Vanitas Noé und Vanitas auf ihrer Reise durch das Steampunk-Paris begleiten. Wakanim sicherte sich die Rechte an der Mystery-Vampir-Serie und veröffentlicht die neuen Folgen nicht nur im Simulcast, sondern zusätzlich im Simuldub. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Das Buch des Vanitas

Eine uralte Legende erzählt von einem Vampir, der während einer Nacht des Blauen Mondes geboren wurde und somit Unglück verheißen soll. Vanitas, so der Name dieses Vampirs, wurde aus diesem Grund von den anderen verstoßen. So schwört Vanitas Rache an allen Vampiren und benutzt dazu ein mysteriöses Grimoire, welches das Buch des Vanitas genannt wird. Mit diesem besitzt der Benutzer die Macht, den wahren Namen der Vampire herauszufinden, diese so zu manipulieren und sich seiner gefügig zu machen. Und Gerüchten zufolge soll genau dieses verwunschene Grimoire nun wieder aufgetaucht sein.

Der junge Noé wird von seinem Lehrmeister beauftragt, das Buch des Vanitas zu finden, um so größeres Übel zu verhindern. Auf dem Weg nach Paris trifft Noé in einem riesigen Luftschiff auf Amelia, die an einer seltsamen Krankheit leidet. Bevor er sich versieht, verliert Amelia die Kontrolle, beißt Noé und gibt sich dadurch als Vampirin zu erkennen. Auf einmal dringen zwei rätselhafte Gestalten durch das Fenster und greifen Noé und Amelia an.

Einer der beiden Angreifer bezeichnet sich selbst als Vanitas und gibt vor ein Arzt zu sein, der Amelia heilen will. Amelias Name wurde irgendwie verzerrt, weswegen sie die Kontrolle über ihren Blutdurst verloren hat. Entgegen Noés Erwartungen gelingt es Vanitas tatsächlich, mithilfe seines Buches, Amelia zu retten. Trotz einer persönlichen Abneigung beschließt Noé, Vanitas zu begleiten und so mehr über das Buch herauszufinden, das er als Buch des Vanitas erkannt hat. Vanitas verfolgt derweil sein eigenes Ziel: Er möchte alle Vampire retten, ob diese das nun wollen oder nicht.

Bild und Animation

The Case Study of Vanitas (jap. Vanitas no Karte) basiert auf dem gleichnamigen Manga von Pandora Hearts-Autorin Jun Mochizuki. Die Manga-Reihe erscheint in Japan seit 2015, bis jetzt wurden die Kapitel in insgesamt neun Volumes zusammengefasst. Für die deutschsprachige Veröffentlichung ist Carlsen Manga zuständig. Hierzulande erschienen bisher acht Bände. Für die Anime-Umsetzung ist das Studio Bones (u. a. My Hero Academia, Noragami) zuständig und die Regie führt Tomoyuki Itamura. Hierzulande ist die Serie seit dem 2. Juli 2021 auf Wakanim abrufbar. Jeden Freitag um 18.30 Uhr erscheint hierbei jeweils die neueste Episode in der OmU-Fassung, sowie seit dem 16. Juli 2021 auch jeweils eine Folge mit deutscher Synchronisation.

Allgemein ist die Animation sehr gelungen und schön anzusehen. Einige Szenen sind eindrucksvoll gestaltet – insbesondere die Aufnahmen von Paris sind eine Augenweide und das Charakterdesign von Tomoyo Nakayama weiß ebenfalls zu überzeugen. Ein weiterer Pluspunkt sind die unterschiedlichen Zeichenstile, die zum Einsatz kommen. Die Erzählungen des Vanitas aus der Legende stehen hier in einem schönen Kontrast zum Rest der Serie und bestechen aufgrund ihrer ganz speziellen chaotischen Bildgestaltung und Animation.

Generell werden viele künstlerische Tricks versucht. Zwar gelingen diese meistens, an manchen Stellen schießen sie jedoch über das Ziel hinaus. So beispielsweise gleich in der ersten Episode, in der ein Wechsel zwischen mehreren Szenen aufgrund des zu schnellen Tempos mehr Kopfschmerzen verursacht, anstatt Parallelen zu verdeutlichen. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kameraführung. Zu oft werden die Figuren aus der Ferne oder aus Winkeln, welche die Charaktere kaum beleuchten, gezeigt. Das Charakterdesign sieht hier oft auch etwas unschön aus, da Gesichtszüge und weitere Details kaum angedeutet werden.

Deutsche Umsetzung und Musik

Seit dem 16. Juli 2021 bringt Wakanim wöchentlich neben dem Simulcast ebenso eine Folge auf Deutsch heraus. Für die deutsche Umsetzung wurde die Synchronfirma DMT – Digital Media Technologie GmbH aus Hamburg beauftragt. Das Dialogbuch stammt von Toni Michael Sattler, der zusätzlich Noé spricht; die Regie führte hingegen Matthias Klimsa, der mit Noés Katze Murr auch eine Figur vertont. Nach den ersten beiden Episoden lässt sich bereits sagen, dass die deutsche Synchronisation überzeugen kann. Insbesondere die Sprecher von Vanitas (Tim Kreuer) und Noé passen sehr gut und auch sonst hört sich die Übersetzung bis dato sehr gut an. Einzig ein paar Stimmen der Nebenfiguren sind noch etwas gewöhnungsbedürftig, doch ist es hier noch zu früh, um ein endgültiges Urteil zu fällen.

Für die Musik ist die Komponistin Yuki Kajiura zuständig. Somit ist es kein Wunder, dass einige Stücke an Puella Magi Madoka Magica erinnern. Wie nichts anderes zu erwarten, gibt es an dem Soundtrack selbst nichts zu mäkeln, außer vielleicht, dass die Musik generell etwas wenig originell ist und eben zu sehr an Madoka und andere Werke von Kajiura erinnert und so teilweise nicht zum französischen Schauplatz passt. Aber das ist zugegebenermaßen Meckern auf wirklich hohem Niveau.

Das Ending (0 (zero) von LMYK) steht dem restlichen Soundtrack in nichts nach und beeindruckt ebenfalls aufgrund seiner Bildgestaltung, wobei hier insbesondere die  Verwendung von Portraits hervorsticht, die sehr an die Volume-Covers der Manga-Vorlage erinnert. Das Opening (Sora to Utsuro von Sasanomaly) ist, was die Animation betrifft, nicht weniger gelungen, denn diese besticht dank einer Dynamik und Heiterkeit. Das Lied an sich ist aus meiner Sicht allerdings weniger passend, denn der Kontrast zum Rest der Serie funktioniert hier nicht.

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Fazit

Auch nach vier Episoden bleibt noch ungewiss, inwiefern sich die Story in The Case Study of Vanitas weiterentwickeln wird. Es wird bislang lediglich angedeutet, was unsere Protagonisten erwarten könnte. Vanitas’ Charakter und seine Motive sind ebenfalls noch unklar. Dies ist nichts Schlechtes, doch wer eine Serie sucht, deren Plot einen klaren roten Faden besitzt und nicht nur Fragen, sondern auch Antworten liefert, wird mit diesem Anime vermutlich wenig Freude haben. In den ersten Folgen allein werden jedenfalls viel zu viele Figuren eingeführt, um zu diesen nur den Ansatz einer Bindung aufzubauen – von Noé und Vanitas einmal abgesehen. Die Charaktere sind dabei teils wenig distinktiv, selbst wenn das Charakterdesign ansprechend ist. Positiv hingegen ist die deutsche Vertonung. Die Stimmen sind passend und die Sprecher erwecken ihre Figuren glaubhaft zum Leben.

Die Animation strotzt von Beginn an vor Farben. Bis auf die wenig schönen Charakterdarstellungen, wenn die Figuren von der Ferne gezeigt werden, und ein paar kreativer Gestaltungstricks, die nicht funktionieren, ist die Bildgestaltung vollkommen gelungen. Die Kampfszenen sind jedenfalls flüssig und Hintergründe sowie Figuren harmonieren miteinander. Besonders süß ist hierbei Noés Katze Murr, die, sobald sie im Bild zu sehen ist, nicht nur die Aufmerksamkeit der Charaktere in der Serie auf sich zieht.

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Was den Soundtrack betrifft, so ist er doch, so schön er auch anzuhören ist, teilweise wenig aussagekräftig, was seine Verwendung in der Serie angeht. Mir persönlich fehlt hier das gewisse Etwas, das ihn zu genau dieser Musik dieses Animes macht und die Lieder klingen nicht immer passend zur Atmosphäre in den jeweiligen Szenen.

Startet die Serie eher humorvoll, zeigen sich schnell düsterere Seiten. Die Figuren entsprechen keinen klassischen Helden, der (mögliche) Antagonist bleibt noch eher schemenhaft und geheimnisvoll. Auf alle Fälle ist The Case Study of Vanitas kein typischer Anime und Studio Bones ist hier eine wirklich gelungene Umsetzung geglückt.

Kurzfazit

Was die Story und Figuren betrifft, bleibt in The Case Study of Vanitas noch alles offen: die Welt entwickelt sich wie der Plot in einem eher gemächlichen Tempo weiter, das Ziel bleibt hierbei noch ungewiss. Musikalisch und animationstechnisch wird hier aber (fast) alles richtig gemacht und der Vampir-Steampunk-Mystery-Mix besitzt seinen ganz eigenen Flair.

Bilder: ©Jun Mochizuki/SQUARE ENIX, “The Case Study of Vanitas” Project

Pro

  • schöne Animation
  • interessante Hauptcharaktere
  • großartiger Soundtrack, ...

Contra

  • künstlerische Effekte gelingen nicht immer
  • insgesamt etwas zu viele Figuren
  • ... der aber noch etwas wenig distinktiv ist
vorläufige
Bewertung:
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