Screamer

Review: Screamer [PC]

19. April 2026,   
Autor: Erik Schott

Screamer – ein Arcade-Racer, der nach 30 Jahren aus dem Nichts zurückkehrt und das Genre neu definieren will. Am 26. März 2026 kehrte mit Screamer eine fast vergessene Rennspielmarke zurück, die hierzulande unter Bleifuss bekannt war. Allerdings ist dieser Arcade-Racer kein einfaches Remake, denn abgesehen vom Genre und dem Titel hat er kaum noch etwas mit dem Original gemeinsam. Stattdessen setzt Screamer auf eine grelle Mischung aus Anime, Cyberpunk und Storytelling. Ob dieser mutige Ansatz aufgeht, zeigt sich erst auf der Strecke. Erik Schott

Screamer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Das Turnier

In der korrupten Metropole Neo Rey veranstaltet der geheimnisvolle „Mr. A” ein illegales Rennturnier. Dem Sieger winken satte 100 Milliarden Dollar. Ein Preis, der Fahrer aus den unterschiedlichsten Ecken anzieht. Doch nicht alle treten allein wegen des Geldes an. Für manche geht es um Ruhm, für andere um Rache oder die Chance, aus den Fängen der Konzerne auszubrechen.

Fünf Teams mit jeweils drei Mitgliedern stellen sich der Herausforderung. Schnell ist jedoch klar, dass die Rivalität über den bloßen Siegeswillen hinausgeht. Misstrauen und Eigennutz prägen das Teilnehmerfeld. Kaum jemand zögert, dem anderen sprichwörtlich das Messer in den Rücken zu rammen – selbst wenn derjenige eigentlich ein Teammitglied ist.

Screamer

Geschwindigkeit mit System

Auf den ersten Blick wirkt Screamer mit den hohen Geschwindigkeiten, engen Kurven und dem Fokus auf knappe Überholmanöver wie ein klassischer Arcade-Racer. Doch es steckt viel mehr dahinter. Das Fahrgefühl ist bewusst unkonventionell gestaltet. Das „Twin-Stick-System” trennt Lenkung und Driftkontrolle voneinander, wodurch ein präziseres, aber auch anspruchsvolleres Fahrgefühl entsteht. Statt einfacher Eingaben erfordert das Handling ein bewusstes Zusammenspiel beider Sticks beziehungsweise Pfeiltasten am PC. Dadurch ist ein gewisses Maß an Eingewöhnung nötig, doch das System lässt sich leicht verinnerlichen. Wer sich gar nicht damit abfinden kann, hat auch die Möglichkeit, das Twin-Stick-System auszuschalten.

Zusätzlich kommt das sogenannte „Echo” ins Spiel, das in der Handlung von Screamer die Respawn-Mechanik erklärt, in den Rennen aber als Mechanik dient. Zwei Ressourcen, Sync und Entropie, bestimmen, wie offensiv oder defensiv gefahren wird. Präzises Fahren, saubere Drifts und gutes Timing füllen die Sync-Leiste, die man für Boosts oder den Schild nutzt.

Screamer

Durch Boosts steigt die Entropie, die einen Angriff ermöglicht. In Kombination entsteht ein ständiges Abwägen zwischen Risiko und Kontrolle. Ob man seine Ressourcen spart und defensiv bleibt oder das Risiko eingeht und angreift, trifft man oft in Sekundenbruchteilen. Jeder Fahrer hat zusätzlich seine eigene Fähigkeit. Das sorgt für dynamische und oft unvorhersehbare Rennen. In der Praxis zeigt sich schnell, wie entscheidend eine saubere Linienführung ist. Ein kleiner Fahrfehler in engen Passagen kann bereits ausreichen, um mehrere Positionen zu verlieren, insbesondere durch die merkbare Gummiband-KI.

Glücklicherweise führt das Spiel im Laufe der Kampagne den Spieler Schritt für Schritt an die einzelnen Mechaniken heran. Die Lernkurve fällt dabei angenehm aus. Trotz der ungewohnten Steuerung sind die grundlegenden Mechaniken vergleichsweise schnell verinnerlicht, wodurch sich früh ein flüssiges Fahrgefühl einstellt. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich zudem anpassen, sodass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Spieler auf ihre Kosten kommen.

Screamer

Neon und Staub

Enge Innenstadtstraßen, verfallene Industrieanlagen, ein für Cyberpunk untypischer Nationalpark mit Bäumen und sogar eine Raumstation verbinden Cyberpunk-Elemente mit einem stilisierten Anime-Look und schaffen eine sehr abwechslungsreiche Umgebung. Die 32 Strecken wirken dabei nicht nur optisch unterschiedlich, sondern sind mit geheimen Abkürzungen auch gut durchdacht.

Besonders auffällig ist die Gestaltung der Fahrzeuge, die den Cyberpunk-Stil stark aufgreifen. Auffällige Formen und futuristische Designs sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Statt austauschbarer Modelle spiegeln sie zusätzlich die Identität ihrer Fahrer deutlich wider. Von improvisierten, offenen Maschinen bis hin zu Luxus-Oldtimern entsteht ein sehr diverser Fuhrpark. Zudem unterscheidet sich das Fahrgefühl jedes Fahrzeugs deutlich.

Einen großen Anteil am Fahrgefühl hat offensichtlich die audiovisuelle Umsetzung. Die Motorengeräusche sind kraftvoll und die Musik trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Elektronische Tracks, die ein wenig an ältere Need for Speed-Teile erinnern, begleiten die Rennen, wobei pro Rennen im Durchschnitt zwei Lieder spielen.

Screamer

Zwischen den Rennen

Im Verlauf von Screamer rückt weniger das Turnier selbst als vielmehr die Menschen dahinter in den Fokus. Die Handlung dreht sich nicht um einen einzelnen Protagonisten beziehungsweise ein einzelnes Team, sondern um alle Teilnehmer und ihre Beziehungen zueinander. Jedes Team bringt seine eigenen Geschichten, Konflikte und Beziehungen mit, die sich nach und nach entfalten. Rivalitäten entstehen dabei nicht nur auf der Strecke, sondern auch abseits davon. Das Rennen ist dadurch der Schauplatz persönlicher Ziele und Spannungen, die das Geschehen immer wieder vorantreiben.

Besonders auffällig ist die multilinguale Synchronisation. So ziemlich jeder Fahrer spricht eine andere Sprache, was die Dialoge und Zwischensequenzen sehr interessant macht. Für die Animation war Polygon Pictures verantwortlich. Obwohl die Zwischensequenzen qualitativ überzeugen, zeigt sich hier eine Schwäche.

Screamer

Sie sind zu selten und die meiste Zeit sind die Rennen von längeren Dialogen unterbrochen, die den Spielfluss bremsen. Gerade dann, wenn das eigentliche Fahren seine Stärke ausspielt, wirken längere Gesprächssequenzen eher bremsend.

Abseits der Kampagne bietet Screamer eine Vielzahl klassischer Spielmodi. Neben den Einzel- und Teamrennen gibt es zusätzlich noch Herausforderungen sowie Zeitfahren. Besonders hervorzuheben ist der Mehrspielermodus, der zusätzlich einen lokalen Splitscreen für bis zu vier Spieler bietet. Neue Fahrer und deren Fahrzeuge sowie Strecken und kosmetische Anpassungen bieten Anreize, sich weiter mit dem Spiel zu beschäftigen. Dennoch bleibt das Gefühl, dass gerade im Bereich der Anpassungsmöglichkeiten der Fahrzeuge noch mehr Potenzial vorhanden wäre.

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Fazit

Screamer ist ein ungewöhnlicher Arcade-Racer, der sich bewusst von den Konventionen des Genres entfernt. Das zugängliche, aber dennoch tiefgehende Fahrmodell, das variable Handling der Fahrzeuge und die gelungene audiovisuelle Präsentation sorgen für ein intensives Spielerlebnis. Die Kampagne hingegen zeigt kleine Schwächen in ihrer Struktur. Das Gleichgewicht zwischen Dialogen und Rennanteil ist ungünstig, wodurch dem Spiel Tempo entzogen wird.

Dennoch bleiben vor allem die Rennen in Erinnerung. Sobald man die Mechaniken verinnerlicht hat und mit hoher Geschwindigkeit durch die neonbeleuchteten Strecken jagt, entfaltet das Spiel genau die Dynamik, die man sich von einem modernen Arcade-Racer erhofft.

Kurzfazit

Screamer ist ein mutiger, eigenständiger Arcade-Racer, der mit stilvoller Präsentation und dynamischen Rennen überzeugt. Kleine Schwächen in der Inszenierung der Story bremsen zwar den Spielfluss, doch auf der Strecke entfaltet das Spiel seine größte Stärke und bietet ein modernes Rennspielerlebnis.

Bilder: ©Screamer © 2024. Published and Developed by Milestone S.r.l. Screamer is a registered trademark of Milestone S.r.l. in the US and other countries. All rights reserved.

Pro

  • Präzises und zugängliches Fahrgefühl
  • Auffälliger Cyberpunk-Anime-Stil
  • Multilinguale Synchronisation
  • Lokaler Splitscreen-Multiplayer

Contra

  • Unausgewogenes Verhältnis zwischen Story und Rennen
8.0
10
Story/Umfang:
Gameplay:
Grafik:
Soundtrack:
Themen:
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