Preview: Gleipnir

Ein Monster, das wie ein niedliches Maskottchen aussieht – in diese mysteriöse Gestalt verwandelt sich unser Protagonist Shuichi Kagaya in der neuen Anime-Serie Gleipnir. Die Serie entsteht im Studio PINE JAM, wird seit dem 5. April 2020 in Japan ausgestrahlt und läuft hierzulande bei Wakanim im Simulcast. Können wir hier einen weiteren actionreichen und spannenden Anime erwarten? Patrick Snir

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


„Wieso nehme ich bloß diese Gestalt an?“

Shuichi Kagaya ist ein gewöhnlicher Schüler und lebt in einer kleinen und langweiligen Kleinstadt, wo er ein ganz gewöhnliches Leben führt. Sein Leben wird jedoch von einen auf den anderen Tag auf den Kopf verstellt, als er sich plötzlich in ein Monster verwandeln kann, das ihn wie ein niedliches Hunde-Maskottchen mit einem überdimensionalen Revolver und einem Reißverschluss auf dem Rücken aussehen lässt – ausgestattet mit unglaublicher Stärke sowie einem geschärften Geruchssinn, was sinnbildlich zu seinem Hundeaussehen passt. Diese gefährliche Begabung hütet er für sich wie ein Geheimnis und möchte um jeden Preis verhindern, dass es seine Mitschüler mitbekommen.

Eines Abends kann er dank seiner Begabung ein Mädchen aufspüren, das mit offener Bluse bewusstlos in einer brennenden Fabrik liegt, die sich auf einem Berghang befindet. Er rettet das Mädchen, wird aber von ihrem Geruch berauscht und belästigt sie fast. Am nächsten Tag konfrontiert ihn das Mädchen Claire damit, dass sie weiß, dass er ein Monster ist. Shuichi gibt seine Unkenntnis seiner Kräfte zu, bevor Claire ihm eine Münze zeigt und mehr davon wissen will. Wie beide bald feststellen, ist Shuichi nicht das einzige Monster, das es gibt. Außerdem scheinen die Münzen von hoher Bedeutung zu sein, weshalb sie in einen Kampf der Monster verwickelt werden. Kurzerhand beschließen beide, sich zu verbünden und wollen ihrem Schicksal die Stirn bieten!

Bild und Animation

Gleipnir basiert auf der gleichnamigen Manga-Reihe von Sun Takeda und wird unter der Regie von Kazuhiro Yoneda im Studio PINE JAM produziert, wobei das Drehbuch von Shinichi Inotsume verfasst wird. Das Charakterdesign wird von Takahiro Kishida beigesteuert. Am 5. April 2020 startete der Anime in Japan und wird seither auch hierzulande bei Wakanim im Simulcast gezeigt.

In den ersten Episoden wird ein interessantes Setting gezeigt, das anfangs noch nicht richtig funktioniert. Bedauerlicherweise ist das Charakterdesign größtenteils eher schwach. Je nach Perspektive sieht es gut beziehungsweise schlecht aus. Werden die Charaktere von Nahem gezeigt, so ist das Design schön ausgearbeitet, mit sanften und klaren Konturen umgeben. Von der Entfernung hingegen sind diese mit schwammigen Konturen versehen und insgesamt ein Reinfall. Das Design des Monsters, in das sich Shuichi verwandelt, ist im Vergleich interessanter und ansprechender. Absolut hervorragend ist das kontrastreiche Bild, das durch die düstere Atmosphäre das Charakterdesign impulsiv hervorhebt. Darüber hinaus fand ich die Szenen, in denen in die Vergangenheit geblickt wird, einfallsreich, weil diese mit statischem Rauschen daherkommen. Die Animationen waren soweit flüssig sowie fehlerfrei, konnten sich jedoch noch nicht gänzlich entfalten – gehen aber in eine gute Richtung.

Synchronisation und Musik

Hierzulande wird Gleipnir ausschließlich in der japanischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt, und präsentiert sich soweit ganz gut. Zwischendurch bemerkt man, wenn man konzentriert darauf achtet, dass einige Szenen nicht komplett lippensynchron gelungen sind. Nichtsdestoweniger finde ich, dass die jeweiligen Stimmen zu ihren Charakteren passen, diese mit Leben füllen und die passenden Emotionen zum Zuschauer tragen. Dabei ist alles angenehm mit der Hintergrundmusik und den Effekten abgemischt und keinesfalls zu penetrant.

Die musikalische Untermalung ist hochwertig und unterstütz die Handlung des Animes perfekt. Wünschenswert wäre in spannenden Szenen eine geprägte Musik, die auch zu Gänsehaut führt. Gefallen haben mir die Variationen der Klänge, die grandios zum Anime passen.

Ein Danke an WAKANIM für die Bereitstellung eines Presse-Zugangs!

Fazit

Von der Aufmachung der Handlung her erinnert mich Gleipnir etwas an Darwins Game, der Anime-Serie aus der vergangenen Season. Was den Anime interessant macht, sind die Antworten auf die Fragen, die wir nicht so schnell bekommen. Diese Spannung macht vieles richtig und hält den Unterhaltungswert auf einem ganz hohen Niveau. Das einzige Defizit bisher ist der Fanservice, der nicht hätte sein müssen. Es kommt mir so vor, als ob die Kamera viele Male auf Claires Körper verweilt. Leider befürchte ich, dass dies in den kommenden Episoden weiter so bleibt, wenn nicht sogar schlimmer wird.

Die visuelle Darstellung ist ein zweischneidiges Schwert: Zum einen lässt das Charakterdesign zu wünschen übrig und hat noch nicht das volle Potential ausgeschöpft. Zum anderen sind die kontrastreichen Bilder nahezu grandios. Die Animationen sind flüssig und verleihen dem Bild eine bessere Tiefe. Die musikalische Untermalung unterstreicht das passende Feeling in der Handlung und ist des Weiteren vielseitig.

Gleipnir scheint also bislang vieles richtig zu machen, weil mich die Serie seit Episode 1 neugierig gemacht hat und ich definitiv weiterschauen möchte. Wer einen spannenden Anime in dieser Season sucht, macht mit Gleipnir sicherlich nichts falsch.

Kurzfazit

Gleipnir ist durchaus eine spannende TV-Serie, die einen sehr neugierig macht und auf hohem Niveau unterhalten kann. Während Bild und Animation noch etwas Zeit benötigen, sticht die Musik sehr wertig heraus. Als störend ist der Fanservice in diesem Anime zu betrachten.

Bilder: ©Sun Takeda, KODANSHA/ “Gleipnir” Production Committee.

Pro

  • Soundtracks
  • atmosphärische Bilder
  • flüssige Animationen

Contra

  • Charakterdesign
vorläufige
Bewertung: