visual Theropods Spiel

Review: Theropods [PC]

20. August 2026,   
Autor: Stefan Ibels

Es gibt Spiele, die versuchen, mit möglichst vielen Dialogen, spektakulären Zwischensequenzen und einer riesigen Spielwelt ihre Geschichte zu erzählen. Theropods geht einen vollkommen anderen Weg. Das Point-and-Click-Adventure von Lost Token verzichtet nahezu vollständig auf Sprache und lässt stattdessen Bilder, Animationen, Musik und Geräusche für sich sprechen. Das Ergebnis ist ein charmantes Abenteuer, das vor allem durch seinen ungewöhnlichen Stil und die Dinosaurier punktet. Nach rund drei bis fünf Stunden ist die Reise allerdings schon wieder vorbei. Stefan Ibels

Screenshot aus dem Theropods Spiel

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Eine Geschichte, die keine Worte braucht

Theropods beginnt nicht besonders friedlich. Wir übernehmen die Rolle einer jungen Jägerin, die gemeinsam mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf lebt. Schon früh erfahren wir, dass sie ihre Mutter als Kind durch den Angriff eines Tyrannosaurus Rex verloren hat. Seitdem wird sie immer wieder von Albträumen geplagt. Uns wird also schnell klar: Besonders friedlich war die Urzeit nicht.

Das Tutorial nutzt die anfangs ruhige Atmosphäre, um uns mit dem Dorf, einigen Bewohnern und der Steuerung vertraut zu machen. Viel erklärt werden muss dabei ohnehin nicht. Theropods setzt von Beginn an auf eine sehr reduzierte Präsentation. Und genau das funktioniert erstaunlich gut.

Denn obwohl die Figuren nicht miteinander sprechen, lassen sich ihre Emotionen problemlos nachvollziehen. Freude, Trauer, Angst oder Überraschung werden über Mimik, Gestik, Animationen und passende Geräusche vermittelt. Wer Planet of Lana kennt, dürfte sich beim Storytelling deshalb schnell heimisch fühlen.

Screenshot aus dem Theropods Spiel

Wenn der Meteorit einschlägt

Lange bleibt die Idylle allerdings nicht bestehen. Ein vermeintlicher Meteorit schlägt in den Berg nahe des Dorfes ein. Ein geheimnisvoller, leuchtender Stein zieht daraufhin ein feindliches Volk an, das über die Siedlung herfällt.

Was anschließend passiert, dürfte manche Spieler überraschen. Trotz seiner niedlichen Pixelgrafik scheut sich Theropods nicht vor drastischen Bildern. Der Angriff ist blutig, brutal und erbarmungslos. Insgesamt ist die Geschichte zwar kurzweilig, hat aber dennoch ein paar überraschende Momente im Petto.

Klassisches Point-and-Click – aber deutlich reduziert

Beim Gameplay bleibt Theropods seinen Wurzeln treu. Wir laufen durch die einzelnen Schauplätze, untersuchen Gegenstände und versuchen herauszufinden, wie wir bestimmte Situationen lösen können.

Im Vergleich zu vielen klassischen Adventures ist die Auswahl an möglichen Interaktionen allerdings deutlich eingeschränkter. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn ohne Dialoge fallen auch die typischen langen Beschreibungen und Kommentare weg, die man aus Spielen wie Monkey Island oder Baphomets Fluch kennt.

Pro Bildschirm gibt es meistens nur wenige wirklich relevante Objekte. Mit der H-Taste lässt sich zusätzlich anzeigen, welche Elemente überhaupt interaktiv sind. Das ist eine sinnvolle Komfortfunktion. Ohne diese Hilfe könnte es nämlich durchaus passieren, dass man wichtige Gegenstände aufgrund des Pixel-Looks übersieht. Dadurch wird Theropods zwar sehr zugänglich, aber auch schnell etwas einfach.

Screenshot aus dem Theropods Spiel

Rätsel: lösbar, aber nicht immer logisch

Womit wir beim Kern eines Point-and-Click-Adventures wären: den Rätseln. Diese sind insgesamt eher einfach gehalten. Einen besonders hohen Schwierigkeitsgrad sollte man deshalb nicht erwarten. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Lösung sofort auf der Hand liegt.

Gerade gegen Ende des Spiels setzt Theropods zunehmend auf Trial and Error. Die Lösung eines Rätsels ergibt im Nachhinein meistens durchaus Sinn – das Problem ist vielmehr, dass man vorher nicht unbedingt weiß, warum man überhaupt auf diese Lösung kommen sollte. Man probiert also verschiedene Gegenstände und Aktionen aus, bis irgendwann das Richtige passiert.

Das ist zwar selten wirklich frustrierend, fühlt sich aber nicht immer wie klassisches, logisches Kombinieren an. Ein gutes Point-and-Click-Rätsel sollte idealerweise den Moment erzeugen, in dem man sich denkt: „Natürlich! Darauf hätte ich kommen müssen.“ Bei Theropods ist es stellenweise eher: „Ach, das war es? Gut, dann weiter.“

Positiv bleibt dennoch: Unlösbar oder unfair sind die Rätsel nicht. Wer ein wenig herumprobiert und die Umgebung aufmerksam untersucht, kommt eigentlich immer weiter.

Screenshot aus dem Theropods Spiel

Dinosaurier als Teil des Abenteuers

Die namensgebenden Theropoden sind natürlich nicht bloß Dekoration. Dinosaurier spielen eine wichtige Rolle innerhalb der Spielwelt und werden teilweise auch in die Rätsel eingebunden. Gerade die großen Tiere sind dank der Animationen schön in Szene gesetzt. Die kurzen Videosequenzen holen aus der Pixelgrafik noch einmal sichtbar mehr heraus und gehören optisch zu den stärksten Momenten des Spiels.

Die Umgebungen sind detailliert gestaltet, die Charaktere schön animiert, und insbesondere die Dinosaurier kommen überzeugend zur Geltung. Wer diesen Stil mag, dürfte hier wenig zu kritisieren haben.

Atmosphäre und Soundtrack

Auch musikalisch macht Theropods einen guten Eindruck. Der Soundtrack passt zur jeweiligen Situation und unterstützt die Atmosphäre, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Gerade weil die Geschichte ohne Dialoge auskommt, haben Musik und Soundeffekte eine wichtige Aufgabe. Zusammen mit den Animationen sorgen sie dafür, dass die Welt trotz des Verzichts auf Sprache lebendig wirkt. Besonders die Soundeffekte hatten über Kopfhörer einige gute Momente.

Screenshot aus dem Theropods Spiel

Drei bis fünf Stunden Abenteuer

Ein Punkt, den man vor dem Kauf wissen sollte, ist die Spielzeit. Für den kompletten Durchlauf sollte man ungefähr drei bis fünf Stunden einplanen. Damit ist Theropods definitiv kein besonders umfangreiches Adventure.

Auf der anderen Seite kommt dadurch auch keinerlei Leerlauf auf. Das Spiel ist kurzweilig und zieht seine Geschichte konsequent durch, ohne unnötig in die Länge gezogen zu werden.

Ob die kurze Spielzeit ein Nachteil ist, hängt deshalb stark von den eigenen Erwartungen ab. Wer ein großes Adventure mit Dutzenden Stunden Spielzeit erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer dagegen ein kleines, abgeschlossenes Abenteuer für ein Wochenende oder einen Abend sucht, bekommt genau das.

Screenshot aus dem Theropods Spiel

Fazit

Theropods ist ein charmantes kleines Adventure, das vor allem mit seiner ungewöhnlichen Präsentation überzeugt.

Die Entscheidung, komplett auf Sprache zu verzichten, funktioniert erstaunlich gut. Emotionen lassen sich trotzdem problemlos vermitteln, und die Geschichte ist interessanter, als der zunächst sehr niedliche Pixel-Look vermuten lässt. Besonders die Mischung aus prähistorischer Welt, Dinosauriern und Science-Fiction sorgt für einige schöne Überraschungen. Auch grafisch kann das Spiel überzeugen. Die Pixel-Art sieht schick aus, und die Animationen der Dinosaurier gehören zu den Highlights.

Abstriche gibt es vor allem beim Rätseldesign. Die Aufgaben sind zwar problemlos lösbar, teilweise fehlt aber der entscheidende Hinweis, der einen logisch zur Lösung führt. Gerade im späteren Spielverlauf wird deshalb häufiger ausprobiert, bis etwas funktioniert. Dazu kommt die mit drei bis fünf Stunden recht kurze Spielzeit.

Trotzdem hatte ich während meines Durchlaufs durchgehend Spaß mit Theropods. Es ist kein neues Monkey Island und auch kein Meilenstein des Point-and-Click-Genres. Dafür ist das Abenteuer schlicht zu klein und bei seinen Rätseln zu wenig ausgefeilt.

Kurzfazit

Wer klassische Adventures, Pixel-Art und Dinosaurier mag und Lust auf ein ungewöhnliches, wortlos erzähltes Abenteuer hat, sollte Theropods durchaus eine Chance geben. Die Spielzeit ist kurz, die Rätsel sind simpel und die Geschichte ist unterhaltsam.

Bilder: ©Lost Token ©Dionous Games

Pro

  • Charmante, komplett wortlose Erzählweise
  • Schöner Pixel-Art-Stil
  • Interessante Mischung aus Steinzeit und Science-Fiction

Contra

  • Rätsel teilweise zu sehr auf Trial and Error ausgelegt
  • Wenig Interaktionsmöglichkeiten
  • Mit drei bis fünf Stunden recht kurz
7.0
10
Story/Umfang:
Gameplay:
Grafik:
Soundtrack:
Themen:
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