Review: The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV [PlayStation 4]

Am 27. Oktober ist es soweit: Mit Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV endet die sich über insgesamt neun Spiele streckende Saga. Ein jahrhundertalter Fluch macht sich auf dem gesamten Kontinent breit und droht damit, diesen zu zerstören. Erlebt die spannende Schlacht um Erebonia und deren angrenzenden Ländern und freut euch auf ein Wiedersehen mit zahlreichen Charakteren der gesamten Serie! Mario Nguyen

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner. Dieses Review beinhaltet Spoiler!


Was bisher geschah…

Vorweg sei zu erwähnen, dass das Spiel direkt an die Ereignisse der vorangegangenen Teile anknüpft, weswegen dieser Teil aber auch dieses Review selbst massive Spoiler zur Handlung enthält. Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV bietet, genau wie seine Vorgänger, eine schriftliche Zusammenfassung der bisherigen Handlung, in die sich Spieler, die keine Vorkenntnisse besitzen, hineinlesen können. Diese fasst die Geschichte und alle wichtigen Eckpunkte zwar gut zusammen, eine Alternative zu dem richtigen Spielen der Vorgänger ist sie jedoch nicht.

Rean Schwarzer, mittlerweile selbst Lehrer an der Thors Military Academy, ist weiterhin in einem großen Masterplan seines biologischen Vaters und Kanzlers Gilliath Osborne verwickelt. Nachdem sie von einem jahrhundertalten Fluch erfahren, breitet sich dieser bereits in einem seiner Schüler aus: Ash Carbide wird von dem Fluch gelenkt und startet ein Attentat auf den König von Erebonia. Osborne und seine Mitstreiter nutzen dies aus, um dem benachbarten Königreich Calvard die Schuld in die Schuhe zu schieben und erklären diesem den Krieg. Der letzte Schritt, um den Fluch über das Land zu verstreuen, sieht vor, ein heiliges Biest mit dem “Originator Sword” zu töten. Um dieses Schwert herzustellen, ist jedoch ein Opfer nötig, weswegen entweder Reans Schülerin Altina oder seine damalige Mitschülerin Millium ihr Leben lassen muss. Selbst mit vereinten Kräften von Rean, seinen damaligen Mitschülern der Class VII und der neuen Class VII, Juna, Altina, Kurt, Musse und Ash, gelingt es ihnen nicht, den Tod einer Freundin zu vermeiden – und der Fluch breitet sich über dem Land aus.

Inmitten der Apokalypse

Es sind zwei Wochen vergangen, seitdem Rean Schwarzer in Rage gefallen ist, nachdem er ansehen musste, wie seine damalige Mitschülerin Millium Orion sich opfern musste und damit Osbornes Plan für die Apokalypse herbeigerufen hat. Von Osborne und seinen Mitstreitern überwältigt, bleibt den restlichen Mitgliedern der alten und neuen Class VII nichts weiter übrig, als zuzusehen, wie der Fluch sich ausbreitet. Emma konnte mit letzter Kraft für eine sichere Flucht sorgen und teleportierte sich und ihre Kameraden nach draußen.

Wir beginnen mit Juna, Kurt und Altina, die insgesamt zwei Wochen gebraucht haben, um wieder zu Kräften zu kommen. Zusammen mit der alten Class VII beschließen sie, nach Rean zu suchen. Während die alte Class VII sich bereits aufteilt und nach Informationen sucht, müssen Juna, Kurt und Altina zusammen mit ihrem Akademielehrer Randy und Emmas Hexenmeisterin Roselia erst weiter trainieren, um zu alten Kräften zurückzukommen. Nachdem sie das versteckte Dorf verlassen, müssen sie feststellen, wie sehr der Fluch sich bereits ausgebreitet hat, die Menschen im ganzen Land negativ beeinflusst und sie dazu aufhetzt, in den Krieg gegen Calvard zu ziehen. Aufgrund eines schriftlichen Paktes müssen nun auch zivile Männer in den Krieg gezogen werden; einige schließen sich aufgrund des Fluches “freiwillig” an, andere müssen ihre Geliebten zwangsweise verlassen und ihr Leben für Osbornes Machtspiel riskieren.

Die Gruppe kann Rean letztendlich finden, um festzustellen, dass dieser noch immer in Rage ist und um sich herum nichts mitbekommt. Mit vereinten Kräften gelingt es ihnen jedoch, zu ihm durchzudringen und sie schwören Osbornes Pläne zu durchkreuzen, Erebonia und den gesamten Kontinent vor dem bevorstehenden Krieg zu retten und damit auch den Fluch zu brechen.

Über 100 Stunden Spielspass garantiert

In Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV bewegen wir uns JRPG-typisch von einer Stadt zur nächsten, um dort sowohl Hauptquest als auch Nebenquests zu absolvieren. Ob man Nebenquests absolviert oder sich nur auf die Hauptquests konzentrieren, bleibt dem Spieler selbst überlassen. Allerdings entgehen einem dadurch nicht nur wertvolle Erfahrungspunkte und Questbelohnungen, sondern auch stärkere Ausrüstungsgegenstände, die wir nach jedem Kapitel für das Erreichen einer bestimmten Punktzahl (AP) erhalten. Mit AP werden wir nach jeder Quest belohnt. Außerdem können wir Zusatz-AP erhalten, wenn wir bestimmte Voraussetzungen in Quests erfüllen wie etwa, dass kein Charakter im Kampf sterben darf.

Zwischen den Städten bewegen wir uns auf freiem Feld, in denen auch Kämpfe bestritten werden. In den Kampfgebieten gibt es keine Zufallskämpfe, sondern wir sehen die Gegner bereits auf der Karte und können entweder ausweichen oder uns in den Kampf stürzen. Dabei können wir mit unseren Waffen einen Vorteil im Kampf erzielen, wenn wir den Gegner bereits auf der Karte angreifen. Jede Figur kann ihre eigene Waffe einsetzen; einige Waffen sind speziell und effektiver gegen einen besonderen Gegnertyp, um diesen beispielsweise bereits vor dem Kampf zu betäuben. Im gesamten Spiel können wir mittels Knopfdruck zwischen den Charakteren wechseln.

Das Kampfsystem ist im Kern weiterhin dasselbe wie in den vorherigen Trails of Cold Steel-Ablegern. Anpassungen wurden aber auch im vierten Teil erneut durchgeführt, um das Erlebnis für Alteingesessene spannender zu gestalten. Strategisch können nun mehrere Charaktere denselben zweiten Master-Quarz tragen. Master-Quarze sind spezielle Steine, die bestimmte Fähigkeiten wie Angriff, Verteidigung oder Geschwindigkeit eines Charakters erhöhen. Damit können Charaktere besser auf spezielle Werte hochgestuft werden. Das Kampfsystem bleibt weiterhin rundenbasiert und an einer Leiste links im Bild lässt sich erkennen, wer als nächstes am Zug ist. Spezialfähigkeiten, Magie, S-Crafts und Brave-Orders sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Genauso wie die Hilfe von unseren gigantischen Mechs, die in vielen Kämpfen herbeigerufen werden können.

Hervorragende Töne gegen mittelmässiger Präsentation

Erstmals im Jahr 2018 in Japan veröffentlicht, folgt am 27. Oktober 2020 die Veröffentlichung des Spieles von Publisher NIS America und Entwickler Nihon Falcom außerhalb Japans auf der PlayStation 4. Die PC-Version folgt, wie vom letzten Spiel der Reihe gewohnt, vermutlich Anfang 2021. Noch für dieses Jahr ist auch eine Version für die Nintendo Switch angekündigt. Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV ist für den Preis von knapp 60 Euro ohne zusätzlich erwerbbare Download-Inhalte erhältlich.

Der Soundtrack von Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV ist wie bereits bei den vorherigen Titeln sensationell gelungen und untermalt jede Situation mit der passenden Musik. Wahlweise kann man sich die originale, japanische Vertonung der Charaktere anhören oder sich für die englische Fassung entscheiden. Hierbei muss man eindeutig die englische Lokalisation loben, die eine hervorragende Leistung präsentiert und das gesamte Spiel über authentisch bleibt.

Grafisch ist auch Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV keine wahre Pracht und sieht oftmals so aus, als wäre das Spiel ursprünglich für die PlayStation 3 entwickelt worden und für die PlayStation 4 ausschließlich aufgewertet. Diese Ansicht kann man aber verwerfen, da die Reihe seit dem dritten Teil von Anfang an für die PlayStation 4 entwickelt wurde. Charaktermodelle und Umgebungen wirken oftmals steif und teilweise verwaschen. Auch merkt man dem Spiel deutliche Framerateprobleme an. Diese fallen insbesondere in den Städten deutlich auf und können das Spielerlebnis etwas beeinträchtigen. Wenn man aber davon absehen kann und ein Auge zudrückt, passt der allgemeine grafische Stil wundervoll zum Spiel, harmoniert mit dessen Setting und kann durch umfangreiche Gebiete sowie atmosphärischen Dungeons punkten.

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Fazit

Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV ist ein gelungener Abschluss dieser langen Videospiel-Reihe und wird jedem Fan ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Spiel bietet so viel mehr, dass wir kaum auf alles eingehen können. Das Wiedersehen von Charakteren, deren eigene Spielreihe teilweise seit über einem Jahrzehnt bereits beendet ist, ist ein besonderer Fanservice des Entwicklers. Doch ist deren Auftreten in Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV weit mehr und story-technisch unabdingbar. Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV baut eben auf ein Gerüst, das bereits mehr als 500 Spielstunden auf dem Buckel hat – und das merkt man dem Spiel auch an.

Hervorragender Weltaufbau, tiefgründige Charaktere und das gepaart mit spaßigen JRPG-Gameplay sowie toller musikalischer Untermalung! Für Neueinsteiger ist dieser Teil allerdings kaum zu empfehlen, da das Spiel direkt an den Cliffhanger aus dem dritten Teil anknüpft, auf zahlreiche Momente der ersten drei Spiele hinweist und teilweise sogar darüber hinaus. Fans der Reihe werden sich dieses Spiel so oder so vermutlich vorbestellt haben. Man geht schließlich auch nicht kurz vor dem Finale eines Filmes aus dem Kino.

Kurzfazit

Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV ist ein absolutes Muss für jeden Fan der Reihe! Für Neueinsteiger lohnt sich der Blick auf die bisherigen drei Cold-Steel-Ableger, bevor man mit dem vierten Teil ein episches Ende miterlebt.

Bilder: ©Nihon Falcom Corporation, NIS America, Koch Media GmbH

Pro

  • atemberaubendes Finale
  • setzt Storytelling-Maßstäbe
  • 100 Stunden Spielspaß
  • hervorragende Lokalisation ...

Contra

  • ... jedoch nur auf Englisch
  • visuell nicht auf dem Stand der Technik
  • Story basiert auf Wissen der Vorgänger
9.0
10
Story/Umfang:
Gameplay:
Grafik:
Soundtrack: