Review: Okko’s Inn: The Movie

Erst letztes Jahr lief die 24-teilige Anime-Serie Okko’s Inn bei Anime on Demand im Simulcast. In diesem Anime geht es um ein kleines Mädchen, welches nach dem Tod ihrer Eltern in das Onsen ihrer Großmutter zieht und dort plötzlich Geister sehen kann. Der Kinofilm beleuchtet nun mehr den Tod ihrer Eltern und wie sie diesen verarbeitet. Der Film kommt am 27. August 2019 mit deutscher Synchronisation in ausgewählte deutsche und österreichische Kinos. Ich durfte bereits vorab das angepriesene Familienerlebnis genießen. John Viktor Schwab

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Okko

Okko oder auch Oriko Seki ist ein kleines junges Mädchen, das manchmal etwas altklug, doch stets liebenswert zusammen mit ihren Eltern ein glückliches Leben führt. Sie unternehmen gemeinsame Ausflüge und erkunden dabei viel Neues. Als sie an einem traditionellen japanischen Fest teilnehmen, verbringen sie eine wunderbare gemeinsame Zeit miteinander und haben viel Spaß; doch Okko kann es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein. Auf der Rückfahrt erzählt ihr ihre Mutter, dass jedes Jahr zwei Kinder zur Repräsentation für das Feststück ausgewählt werden und weil sie selbst damals und auch heute noch gerne daran teilgenommen hätte, würde sie gerne ihre kleine Okko dort sehen. Dabei ist die Stimmung ausgelassen und harmonisch, wird jedoch von einem lauten Knall in der Ferne unterbrochen. Plötzlich sieht man nicht weit von ihnen entfernt eine Rauchwolke. Alle sind angespannt und warten ab, was als nächstes passieren wird. Die Bäume am Straßenrand bewegen sich und ein LKW rast durch die Leitplanke direkt auf sie zu.

Die junge Gastwirtin

Nach dem schweren Unfall ihrer Eltern ist Okko die einzige, die wie durch ein Wunder unversehrt blieb. Weil sie nun alleine nicht zurechtkommen wird, zieht sie in das Onsen ihrer Großmutter Mineko. Kurz nach ihrer Ankunft kommt es zum ersten Gespräch mit ihrer Großmutter und den Angestellten, die ihr die Beileidsbekundung aussprechen. Doch dabei soll es nicht bleiben, denn Okko ist während des Gesprächs etwas abwesend. Erst kurz zuvor, direkt bei der Ankunft, hat sie den frechen Geist Uri-Bo kennengelernt, ein verstorbener Junge, der mit Okkos Großmutter damals eng befreundet war. Während des Gesprächs zwischen Okko und ihrer Großmutter besteht er darauf, dass Okko ihre Großmutter tatkräftig unterstützt und bald die Nachfolgerin des Onsens wird. Okko wiederholte fragend den Satz von Uri-Bo, während natürlich ihre Großmutter dies als klares Versprechen ihrer Enkelin wahrgenommen hat. Ab sofort ist also Okko die junge Gastwirtin, die jedoch schnell dazulernt und begreift, dass es wichtig ist ihre Großmutter zu unterstützen. Es ist nicht einfach, aber die kleine Okko schlägt sich wacker. Ob sie nun endgültig den Tod ihrer Eltern verarbeiten kann?

Bild und Animationen

Wie auch der Anime basiert der Film auf dem gleichnamigen Manga von Hiroko Reijo. Adaptiert wurde der All-Ages-Fantasy-Film anschließend unter der Regie von Kitaro Kousaka im Studio Madhouse in Kooperation mit DLE, welche unter anderem für Anime-Serien wie Death Note oder Okko’s Inn bekannt sind. Schon letztes Jahr im September feierte der Film in den japanischen Kinos seine Premiere und findet nun dieses Jahr am 27. August 2019 durch das Anime-Label KAZÉ Anime seinen Weg in die deutschen Kinos in der deutschen Synchronfassung. Auf der Japanese Acadamy Award wurde Okko’s Inn als bester Animationsfilm nominiert.

Okko’s Inn präsentiert sich mit einem überaus niedlichem Charakterdesign, einem detailverliebten Bild und großartigen Farben. Das Bild wirkt kindlich und verspielt, aber keinesfalls aufgesetzt oder falsch. Jedes Bild etwas ganz Besonderes, das mit viel Liebe präsentiert wird. Die Farben sind hellstrahlend und passen einfach großartig, so dass ich hier in absolut keinem Punkt etwas zu meckern habe. Darüber hinaus waren auch die Animationen stets flüssig und wie aus einem Guss, was das Gesamtbild noch einmal abrundet.

Deutsche Umsetzung und Musik

Der Auftrag für die deutsche Synchronisation ging an die Hamburger Synchron GmbH. Arlette Stanschus führte hierbei die Dialogregie für sechzehn Sprechrollen. Eine wirklich ausgezeichnete Wahl, wie es sich herausgestellt hat.

Die Stimmen sind hervorragend gewählt, voller Leidenschaft, zeigen Emotionen und sind so ausgewogen, dass sie den Charakteren das gewisse Etwas geben können. Als Beispiel kann Okkos Stimme dienen, gesprochen von Emely Steubert, die der Kleinen so viel Leben eingehaucht hat und dabei wirklich überzeugen konnte. Ebenfalls konnten mich traurige Szenen mit Hilfe der großartigen Einsätze der Synchronsprecher packen und fast zu Tränen rühren. Eine unglaublich wertige Arbeit wie ich sie so bis jetzt kaum erlebt habe – Chapeau! Die musikalische Untermalung ist obendrein einfach der Hammer, weil die Musik passend, gut gesetzt und taktvoll wirkt.

Fazit

Hier passt wirklich alles zusammen: Von der Musik über das Bild zu einer guten Story, starken Charakteren sowie einem sehr guten Taktgefühl in Bezug auf den Umgang mit dem Tod. Die Synchronsprecher geben den Charakteren viel Stärke. Sie vermitteln viel Gefühl, wobei gerade Okkos Stimme überzeugen kann. Dabei sind die Bilder zum dahinschmelzen, wirken im positiven Sinne kindlich und verspielt und die kräftigen Farben runden alles ab. Synchronisation und Bild harmonieren hier sehr schön miteinander, sodass man das Gefühl hat immer mit dabei zu sein. Keine Sekunde ist langweilig oder unpassend, sondern wichtig und packend. Ein äußerst gelungenes Werk, das mich mitunter fast zu Tränen rühren konnte. Eine schöne Geschichte, die mit einem leichten Hauch einer Ghibli-Atmosphäre daherkommt und einen mit auf eine großartige Reise des Erwachsenwerdens nimmt. Eine klare Empfehlung meinerseits – diesen Film sollte man unbedingt gesehen haben.

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Kurzfazit

Okko’s Inn ist ein packender, emotionaler und einfach wunderschöner Film, den jeder Anime-Fan einmal gesehen haben sollte. Hier trifft eine großartige Story, die mit einem leichten Hauch einer Ghibli-Atmosphäre daherkommt und einen mit auf eine großartige Reise des Erwachsenwerdens nimmt, auf grandiose Charaktere.

Bilder: ©Hiroko Reijo, Asami, KODANSHA / WAKAOKAMI Project

Pro

  • detailverliebtes Bild
  • rührende Geschichte
  • starke Charaktere

Contra

10
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: