Review: Kabukicho Sherlock – Volume 4 [Blu-ray]

Zum letzten Mal hebt sich für Sherlock Holmes und die anderen Detektive Kabukichōs der Vorhang. Am 15. April 2021 veröffentlichte KSM Anime den vierten und letzten Teil der modernen Sherlock-Holmes-Adaption auf DVD und Blu-ray. In den Episoden 19 bis 24 von Kabukichō Sherlock sieht sich Sherlock ausgerechnet mit seinem einstigen Freund Moriarty konfrontiert. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Die kaputte Teekanne

Es waren einmal ein Bruder und eine Schwester. Die Schwester war todkrank, doch voller Liebe für die Welt in der sie lebte – egal wie grausam diese sein mochte. Der Bruder hingegen konnte ihrer Freude nichts abgewinnen. Von Beginn an wusste er, dass etwas in ihm, oder womöglich er selbst, kaputt war. Er war wie eine brüchige Teekanne, aus der unaufhörlich Wasser tropfte. Doch solange nur seine Schwester an seiner Seite war, konnten die Risse in seinem Inneren gestopft werden und sie vermochte seinen Mangel an Güte mit ihrer eigenen füllen.

Sie hielt immer zu ihm, selbst als ihre Mutter durch sein Verschulden starb und sein Vater ihn daraufhin abwies. Doch eines Tages wurde ihm seine Schwester plötzlich durch den Serienmörder Jack the Ripper genommen. Erneut wurde er zu dem kaputten Jungen und die Welt erschien so unerträglich wie nie. Seitdem sucht der Junge nach jemandem, der so ist wie er. Und genau diese Person scheint er in einem gewissen Detektiv gefunden zu haben, der genauso von Einsamkeit geplagt ist …

Das letzte Problem

Kaum wird Moriarty aus der Haft entlassen, macht ihn ein Vorfall zum Helden und neuen Detektivstar in Kabukichō. Dies hilft seinem Vater, dem amtierenden Bürgermeister Sebastian Moran, bei seinem Ziel, die nächste Bürgermeisterwahl zu gewinnen. Nicht nur deswegen ist Sherlock äußerst misstrauisch was Moriartys neugewonnene Beliebtheit angeht. Moriarty wirkt nämlich seit seinem Aufenthalt im Gefängnis stark verändert. Bei einer Bombendrohung während einer großen Veranstaltung offenbart Moriarty dann sein wahres Gesicht: Er steckt hinter der scheinbaren Selbstmordserie der ehemaligen Gefängnisinsassen, die Kabukichō in der letzten Zeit heimgesucht hat.

Moriarty hat die Sträflinge für seine Zwecke manipuliert und anschließend mittels der Tode alle Spuren, die auf sein Mitwirken hätten schließen können, verwischt. Und jetzt steht das bombastische Finale vor der Tür, bei dem es um das Leben unzähliger Bewohner von Kabukichō geht. Alles läuft auf eine letzte Konfrontation der einstigen Freunde hinaus. Doch schafft es Sherlock wirklich, sich Moriarty zu stellen und ihm das Handwerk zu legen – egal wie hoch der Preis dafür sein mag? 

Bild und Animation

Kabukichō Sherlock ist ein Original-Anime, der unter der Regie von Ai Yoshimura bei Production I.G. (u.a. Eden of the East, Ghost in the Shell) produziert wurde. Die japanische Erstausstrahlung der insgesamt 24 Episoden erfolgte von Oktober 2019 bis März 2020. Für die deutsche Veröffentlichung sicherte sich KSM Anime die Lizenz. Am 26. November 2020 kam hier das erste Volume in den Verkauf und am 15. April 2021 erschien nun das vierte Volume, das die Serie abschließt. 

Bild und Animation sind nach wie vor solide. Insbesondere das nächtliche Kabukichō ist äußerst schön anzusehen. Etwas, das ebenfalls positiv auffällt, ist die Verwendung von Schnitten und Split-Screen, durch welche ein schnelles Tempo entsteht. Dieses bringt die Dringlichkeit und die Gefahr der Situation treffend zum Ausdruck. Die Bewegungen sind ebenso zum größten Teil flüssig und die Hintergründe und das Charakterdesign von Toshiyuki Yahagi harmonieren gut miteinander. Was Letztgenanntes betrifft, kommt durch dieses auch der Wandel in Moriartys Persönlichkeit zum Ausdruck. Er ist nicht mehr länger der scheinbar nette unschuldige Junge aus den ersten Episoden, sondern Sherlocks womöglich gefährlichster Gegner.

Deutsche Umsetzung und Musik 

Für die deutsche Umsetzung ist weiterhin die Firma DMT – Digital Media Technologie GmbH aus Hamburg zuständig. Das Dialogbuch stammt von Timo R. Schouren und Regie führte Yannik Raiss. Es ist klar zu hören, wie sehr sich die Sprecher gegenüber der ersten Volume weiterentwickelt haben und vertrauter mit ihren Figuren geworden sind. Die Nebencharaktere geraten zwar leider wieder etwas zu sehr aus dem Fokus, doch nichtsdestotrotz wird hier wieder eine hervorragende Arbeit geleistet. Alles in allem steht die deutsche Umsetzung der japanischen also in nichts nach. Für all jene, die die Serie lieber in der Originalversion sehen möchten, ist die japanische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln natürlich auch enthalten. 

Die Musik stammt von Takurō Iga und wird in diesen Episoden zum ersten Mal wirklich effektiv eingesetzt. Dies betrifft nicht nur den Soundtrack an sich, sondern auch seine Abwesenheit. Manche Momente funktionieren gerade dadurch, weil sie keine Musikuntermalung besitzen. Opening (CAPTURE von EGO-WRAPPIN’) und Ending (Parade von Huwie Ishizaki) passen unverändert gut zum Ton des Animes. Parade wird teilweise in die Folgen eingearbeitet und unterstreicht insbesondere einen der emotionalsten Momente der Serie. 

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Fazit

Das große Finale von Kabukichō Sherlock hat es wirklich in sich! Moriarty entwickelte sich mittlerweile zur interessantesten Figur der Serie. Selbst wenn es nicht überraschend war, dass er sich letztendlich als Widersacher entpuppt hat, haben es die Serienschöpfer trotzdem geschafft, dem bekannten Holmes-Bösewicht Originalität zu verleihen. Bei den ersten Episoden in diesem Volume handelt es sich aus meiner Sicht um die besten der ganzen Serie. Ein klarer durchgängiger roter Faden zieht sich durch diese, die finale Konfrontation zwischen Sherlock und Moriarty wird gekonnt aufgebaut und ebenso gut aufgelöst.


Hierzu leistet ebenfalls die Synchronisation einen entscheidenden Beitrag. Diese erweckt die Figuren glaubhaft zum Leben und macht so den emotionalen Aspekt des finalen Aufeinandertreffens spürbar. Die Musik tut ihr Übriges, um die Geschehnisse gekonnt zu unterstreichen. An der Animation gibt es ebenso nichts auszusetzen, auch wenn hier nach wie vor kein bildliches Meisterwerk geboten wird. Einzig die Nachwirkungen dieses Finales ziehen sich in die Länge und die letzten drei Folgen sind etwas zu langatmig.

Allerdings wird in diesen insbesondere Sherlock interessant charakterisiert und zusätzlich kommt John Watson wieder mehr in den Fokus. Was den Humor betrifft, fällt die Serie in diesen Episoden aber wieder in ihr altes Schema zurück und übertreibt es an manchen Stellen. Anstatt die Stimmung aufzulockern, wirken die Witze einfach nur fehlplatziert. Die letzte Episode enttäuscht dafür nicht, selbst wenn sich die Serienschöpfer vermutlich etwas zu sehr von der BBC-Serie Sherlock inspiriert haben lassen, und führt den Anime zu einem gelungenen Abschluss. 

Kurzfazit

Lebewohl Kabukichō, heißt es im letzten Volume von Kabukichō Sherlock. Zwar zieht sich das Ende etwas zu sehr in die Länge, jedoch findet die Serie insgesamt zu einem guten Abschluss, und die ersten drei Episoden in diesem Volume machen all dies wieder wett.

Bilder: ©Kabukicho Sherlock Partners. / 2019 Koch Films GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Pro

  • Ausgezeichnete ersten drei Folgen
  • Gelungener Spannungsaufbau
  • Deutsche Synchronisation

Contra

  • Langatmige finale drei Episoden, ...
  • … bei welchen der Humor fehl am Platz wirkt
7.5
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: