Review: Kabukicho Sherlock – Volume 2 [Blu-ray]

Sherlock Holmes ist zurück und sagt der Kriminalität im Entertainment- und Rotlichtviertel Kabukichō erneut den Kampf an. Seit dem 21. Januar 2021 ist das zweite Volume der Serie Kabukichō Sherlock, welche von KSM Anime veröffentlicht wird, auf DVD und Blu-ray erhältlich. In den Episoden 7 bis 12 bekommt es Sherlock gleich mit zwei fähigen Gegenspielern zu tun. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Eine würdige Gegnerin

Im grellen Kabukichō schläft das Verbrechen nie und so gönnen sich die fähigsten Detektive der Untergrundbar Pipe Cat ebenfalls keine Ruhe. Unter den Ermittlern wird Sherlock Holmes als einer der fähigsten angesehen, jedoch ist sein Verstand mindestens ebenso groß wie seine Verschrobenheit. Mit von der Partie ist der Arzt John Watson, der Sherlock nach wie vor mit seinem persönlichen Fall betrauen will. Doch dafür bleibt vorerst keine Zeit, denn eine andere Sache hat oberste Priorität: Dem Bürgermeister Sebastian Moran wurde ein wertvoller USB-Stick entwendet! Auf diesem befindet sich belastendes Material, das unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen darf. Bei der Diebin handelt es sich dabei um Irene Adler – eine äußerst gerissene Gegenspielerin, welche Sherlock immer einen Schritt voraus ist. Schon bald geht es allerdings nicht länger darum, Irene zu stellen, sondern sie zu beschützen. Denn neben dem Bürgermeister hat sie sich eine äußerst gefährliche Person zum Feind gemacht: Jack the Ripper, jener Serienmörder, der in Kabukichō weiterhin seine blutigen Spuren hinterlässt.

Jack is back

Um Irene vor Jack the Ripper zu verstecken, wird sie bei Sherlock als neue Mitbewohnerin untergebracht. Nicht nur Sherlock selbst muss sich mit dieser neuen Situation erst einmal arrangieren, sondern auch John. Dieser wird nämlich kurzerhand vor die Tür gesetzt und in die Pipe Cat umquartiert. Als Jack erneut zuschlägt, droht dies einen Keil zwischen Sherlock und John zu treiben. Es scheint nämlich ganz so, als wäre der Täter eine Person, die sie beide kennen. Und Johns eigener Fall scheint ebenfalls mit dem Serienmörder in Verbindung zu stehen. Ob die Detektive Jack the Ripper endlich das Handwerk legen können? Nicht einmal abseits dieser Fälle kommen Sherlock und John zu Ruhe. So wird Sherlock als Kindersitter einer Mandantin eingespannt, nachdem diese ins Krankenhaus eingeliefert wird. John hingegen muss sich Kyōgokus Liebessorgen anhören. Kyōgoku, ein anderer Detektiv, hat sich in eine Angestellte der Pipe Cat verliebt, doch diese hat es scheinbar weniger auf ihn als vielmehr auf sein Geld abgesehen. Und zu guter Letzt verschwindet auch noch Pipe, die Katze der Bar.

Bild und Animation

Kabukichō Sherlock ist ein Original-Anime, der unter der Regie von Ai Yoshimura im Studio Production I.G. (u.a. Haikyu!!, Moriarty the Patriot) produziert wurde. Die japanische Erstausstrahlung der insgesamt 24 Episoden erfolgte von Oktober 2019 bis März 2020. Für die deutsche Version sicherte sich KSM Anime die Lizenz und begann am 26. November 2020 mit der Veröffentlichung der ersten von insgesamt vier Volumes. Am 21. Januar 2021 erschien nun das zweite Volume auf DVD und Blu-ray.

Kabukichōs buntes Nachtleben wird nach wie vor gut von der farbenfrohen Bild- und Figurengestaltung eingefangen. Das Charakterdesign stammt hierbei von Toshiyuki Yahagi. Die Figuren unterscheiden sich deutlich voneinander und ihr Design ist originell. Insbesondere die Barbesitzerin Mrs. Hudson sorgt für Abwechslung und tritt immer wieder in schrillen Kostümen auf. Bezüglich der Animation sind vor allem Sherlocks Rakugo-Einlagen, mit denen er die Fälle aufklärt, gelungen. Bei Rakugo handelt es sich um eine japanische Bühnenkunst, in der ein Künstler in verteilten Rollen erzählt. Das Bild besticht hier mit seinen weißen Hintergründen und farbwechselnde Klecksen, durch welche sich diese Szenen klar von allen anderen abheben. Auf mich wirkte es ganz so, als würde man hier in Sherlocks persönliche Welt eintauchen. Ansonsten ist die Animation zwar solide, jedoch nicht außergewöhnlich.

Deutsche Umsetzung und Musik

Für die deutsche Umsetzung ist die Firma DMT – Digital Media Technologie GmbH aus Hamburg zuständig. Das Dialogbuch stammt von Timo R. Schouren und Regie führte Yannik Raiss. Alle deutschen Sprecher machen erneut eine mehr als gute Arbeit. Die neuen Figuren sind ebenfalls passend besetzt worden, wobei hier Céline Fontanges, die Irene Adler spricht, positiv hervorzuheben ist. Wie schon im ersten Volume angemerkt, stellt die Übersetzung der vielen Wortspiele weiterhin eine besondere Herausforderung dar, die aus meiner Sicht größtenteils gemeistert wurde. Auf der Disc ist neben der deutschen Fassung ebenfalls die japanische Originalversion mit deutschen Untertiteln vorhanden. Diese kann ich nur jedem sehr empfehlen, denn hier ist ein äußerst fähiger wie bekannter Cast am Werk.

Die Musik von Takurō Iga besticht dank ihrer Originalität und sie kann vor allem in den spannenden Momenten punkten. Mir ist sie jedoch oft noch etwas zu unaufdringlich, vor allem für ein schrilles Setting wie Kabukichō. Das Opening (CAPTURE von EGO-WRAPPIN’) und das Ending (Hyakuoku Kounen von Lozareena) sind perfekt gewählt. Insbesondere die melancholische Musik des Endings, die teilweise in die Folgen eingearbeitet wird, ist sehr passend für den ernsteren Ton dieser Volume.

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Fazit

Nach wie vor handelt es sich bei Kabukichō Sherlock um eine eigenwillige wie originelle Interpretation der Conan-Doyle-Romane. Gerade das Setting von Kabukichō erachte ich hier als den großen Pluspunkt, durch den sich dieser Anime von anderen Holmes-Adaptionen unterscheidet.

Während die ersten Folgen des Animes deutlich humorvoller waren, ist dieses Volume düsterer. Diese Veränderung spiegelt sich in der Animation wider. Zwar sind Kabukichō und seine Bewohner so bunt wie eh und je, doch kommen die dunklen Seiten hinter der hellen Fassade immer mehr zum Vorschein. Dieser Tonwechsel ist aus meiner Sicht gelungen, doch wem die Serie aufgrund ihres Humors gefallen hat, kann hier womöglich enttäuscht werden. Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen, gibt es allerdings einen bestimmten Punkt, bei dem es der Anime meiner Meinung nach etwas übertrieben hat. Dies betrifft nicht nur die Grausamkeit eines bestimmten Charakters, sondern auch wie dieser geschrieben wurde. Die Darstellung dieser Figur weist meiner Meinung nach transphobische Züge auf. Deutlich positiver in dieser Hinsicht sind hingegen die anderen transgender Figuren, wie Mrs. Hudson und die anderen Mitarbeiterinnen der Pipe Cat. Heitere Episoden gibt es aber auch und der Humor in diesem Volume ist ebenfalls etwas abwechslungsreicher geworden.

Auch wenn die Musik manchmal etwas zu unauffällig ist, ist sie originell und durchaus passend für die Atmosphäre der Serie. Darüber hinaus ist die deutsche Umsetzung mehr als gelungen.

Standen in den ersten Folgen noch das Wettrennen bei der Aufklärung der Fälle im Vordergrund, geht es in den neuen mehr um Sherlock und sein Aufeinandertreffen mit Irene. Die anderen Detektive spielen zwar weiterhin eine Rolle, allerdings bleiben sie eher im Hintergrund, wodurch sie ein wenig blass wirken. Die Fälle umfassen teilweise mehrere Folgen. Zum einen gibt das den Fällen mehr Zeit, sich zu entfalten, und zum anderen ist die Balance von Ermittlung und Persönlichem stimmiger. Die Episoden an sich laufen nicht länger nach „Schema X“ und unvorhergesehene Plot Twists runden das Ganze positiv ab.

Kurzfazit

Nach den humorvollen ersten Episoden geht es in Kabukichō Sherlock ernster weiter. Die Entwicklung der Fälle ist in diesem Volume deutlich stimmiger und die Story nimmt ebenfalls an Fahrt auf.

Bilder: ©Kabukicho Sherlock Partners. / 2019 Koch Films GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Pro

  • originelle Sherlock-Holmes-Story
  • abwechslungsreiche Folgen
  • deutsche Synchronisation

Contra

  • blasse Nebenfiguren
  • transphobische Züge
  • unspektakuläre Musik
7.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: