Review: Hello World [Blu-ray]

Was wäre, wenn auf einmal dein zehn Jahre älteres Ich vor dir stehen und dir offenbaren würde, dass deine Realität gar nicht die Wirklichkeit ist? Genau hiermit beschäftigt sich der Film Hello World, der seit dem 26. November bei KSM Anime auf DVD und Blu-ray erhältlich ist. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Ein Bote aus der Zukunft

Kyōto im Jahr 2027: Dem introvertierten Oberschüler Naomi Katagaki mangelt es an Selbstvertrauen und er lässt sich von anderen die Entscheidungen abnehmen. Ganz anders ist Naomis ungesellige Klassenkameradin Ruri Ichigyō, eine Außenseiterin, die sich allerdings nicht herumschubsen lässt und zielstrebig ihren eigenen Weg geht. Das einzige, was die beiden verbindet, ist ihre Liebe zu Büchern, doch Naomi traut sich trotzdem nicht, mehr mit Ruri zu sprechen. Er ist davon überzeugt, dass in ihm nichts Besonderes steckt und er ein stinknormales Leben führen wird. Doch genau diese Normalität findet ein jähes Ende, als Naomi ein Buch gestohlen wird. Und zwar nicht von irgendeinem Dieb, sondern von einer Krähe mit drei Beinen.

Bei dem Versuch, sein Buch zurückzuholen, trifft Naomi auf einen Mann, der wie aus dem Nichts erscheint und nur von Naomi wahrgenommen werden kann. Der Mann gibt sich als Naomi aus der Zukunft zu erkennen und als wäre das nicht genug, verrät er Naomi, dass dieser gar nicht in der Realität lebt, sondern in bereits vergangenen Aufzeichnungen. Naomis zehn Jahre älteres ich möchte nun die Welt in den Aufzeichnungen verändern und eine bevorstehende Tragödie verhindern, in welche Ruri verwickelt ist. Ruri wird nämlich Naomis Freundin, doch kurz nachdem sie ein Paar geworden sind, erleidet Ruri einen Unfall. Um sie zu retten, schließen sich die beiden Naomis zusammen und Naomi erhält die Fähigkeit, die Realität selbst zu beeinflussen. Doch je mehr sie die Aufzeichnungen verändern, desto mehr scheinen sich diese selbst zur Wehr zu setzen. lst Ruris Schicksal womöglich unausweichlich?

Bild und Animation

Hello World ist ein Original-Anime nach dem Skript von Mado Nozaki. Der Film wurde unter der Regie von Tomohiko Itō (bekannt für Erased und die ersten beiden Staffeln von Sword Art Online) im Studio Graphinica produziert und kam am 20. September 2019 in Japan in die Kinos. Ein Spin-off mit dem Titel Another World, das drei Episoden umfasst, wurde zeitgleich produziert und von September bis Oktober 2019 ausgestrahlt. Hierzulande veröffentlichte KSM Anime den Film am 26. November 2020 mit deutscher und japanischer Sprachausgabe auf DVD und Blu-ray.

Hello World ist fast komplett in 3DCG produziert worden und, ohne zu viel verraten zu wollen, ist dies sogar relevant für die Story. An den Hintergründen habe ich mich kaum sattsehen können, die Welt strahlt förmlich und die Lichteffekte sind überwältigend, selbst wenn ein paar Stellen einen Tick zu kitschig vorkommen. Nur in Bewegung sehen die Bilder leider manchmal weniger schön aus. Vollends überzeugt haben mich hingegen auch die Effekte, wenn die Realität geändert wird, die insbesondere durch Farbexplosionen hervorstechen. Sie bilden einen spannenden Kontrast zu der restlichen Animation und geben dem Film seinen besonderen Touch. Das Charakterdesign von Yukiko Horiguchi ist weniger auffällig, aber nicht unpassend, da Naomi ja wie ein Allerweltsjunge wirken soll. Interessant sind bei den Designs vor allem die Veränderungen zwischen den beiden Naomis, denen man ihr unterschiedliches Alter sowie die etwas andere Persönlichkeit ansieht, obwohl es keine gravierenden Änderungen bei ihrem Äußeren gibt.

Deutsche Umsetzung und Musik

Für die deutsche Umsetzung von Hello World war das Studio KÖLNSYNCHRON zuständig. Regie führte Daniel Käser, während das Dialogbuch von Manuel Chillagano geschrieben wurde.

Die Stimmen sind aus meiner Sicht treffend gewählt, allen voran Nicolas Rathod und Florian Clyde als jeweils junger und älterer Naomi. Dass ein und dieselbe Figur miteinander agiert, ist ein interessantes Konzept und die beiden Sprecher veranschaulichen die unterschiedlichen Entwicklungsstadien in welchen sich Naomi befindet. Bei Florian Clydes Naomi ist deutlich zu erkennen, dass er trotz seiner zusätzlichen zehn Jahre noch immer Naomi ist.

Zwar besitzt Ruri aufgrund der Story als Figur nicht viel Tiefe, doch Alina Freund verleiht ihr dennoch etwas Eigenes und sorgt dafür, dass Ruri nicht ganz blass bleibt. Für diejenigen, die den Film lieber im japanischen Originalton sehen möchten, ist dieser mit deutschen Untertiteln ebenfalls enthalten. Die musikalische Untermalung ist gelungen, niemals störend, jedoch nicht sonderlich einprägsam. Die Lieder, die benutzt werden, ergänzen die Handlung zwar wunderbar, doch besitzen sie leider keinen besonders hohen Wiedererkennungswert.

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Fazit

Hello World scheut sich nicht, etwas Neues zu versuchen und ist bis zuletzt überraschend. Mehrere Twists lenken den Film in eine andere Richtung als ursprünglich gedacht und die klassische Romance-Story wird dekonstruiert. Leider ist genau dieser Bruch ab der Hälfte des Films aus meiner Sicht nicht zur Gänze geglückt. Die Figuren kommen nämlich aufgrund der vielen neu eingeführten Plotelemente zu kurz.

Allen voran Ruri, die leider generell kaum eine Entwicklung durchmacht und nur für den Fortschritt der Handlung benutzt wird. Sie ist als eigenständige Figur im zweiten Teil des Films kaum noch relevant. Das Pacing, das in der ersten Hälfte funktioniert hat, wird von sich überstürzenden und sich (mehrmals) wiederholenden Ereignissen abgelöst. Positiv hervorzuheben sind hingegen die Interaktionen zwischen den beiden Naomis sowie deren charakterlicher Wandel. Die Interaktionen zwischen diesen beiden waren mit das Spannendste im ganzen Film, nicht zuletzt auch aufgrund der hervorragenden Leistung der beiden deutschen Synchronsprecher. Generell war der Plot für mich sehr überladen und dadurch zu konfus. Das Ende ist hingegen interessant und animiert dazu, den Film ein zweites Mal zu sehen.

Im Großen und Ganzen ist die Animation gelungen, jedoch bis auf ein paar Ausnahmen, wie beispielsweise die Hintergründe, nicht überragend und teilweise etwas holprig. Dafür finde ich es gut, dass es einen relevanten Grund gibt, warum der Film überhaupt eine 3D-Optik besitzt. Die Musik erfüllt ihren Zweck und ist nie unpassend, jedoch blieb bei mir von ihr nicht viel im Gedächtnis.

Kurzfazit

Hello World ist leider mit etwas zu vielen Handlungselementen überladen worden. Dennoch handelt es sich hier um einen animationstechnisch wie erzählerisch originellen Film, der einige interessante Konzepte präsentiert.

Bilder: ©2019 „Hello World“ Film Partners. All Rights Reserved., ©2019 Koch Films GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Pro

  • kreative Ideen
  • gelungene dt. Synchro
  • wunderschöne Bilder, ...

Contra

  • ... die manchmal zu kitschig sind
  • konfuser Plot
  • teils unsaubere Animationen
  • unstimmige zweite Hälfte
7.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: