Review: Cop Craft – Volume 1 [Blu-ray]

Auf einmal ist die Erde mit einer außerirdischen Welt verbunden und das Aufeinandertreffen der fremden Kulturen bringt allerhand Probleme mit sich. In dem Anime Cop Craft müssen deswegen ein irdischer Polizist und eine außerirdische Ritterin zusammenarbeiten, um den Frieden in der Stadt San-Teresa zu wahren. Anime House sicherte sich die Rechte an der deutschen Veröffentlichung der Serie und am 18. Februar erschien das erste Volume. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Ein Tor zum Hyperraum

Vor 15 Jahren öffnete sich inmitten des Pazifischen Ozeans ein rätselhaftes Tor zum Hyperraum, welches die Erde mit einer fremden Welt verbindet. Über die Jahre wurde die Stadt San-Teresa, die das Tor zur Erde genannt wird, das neue Zuhause zahlreicher außerirdischer Besucher. Doch das Zusammenleben gestaltet sich nicht immer als einfach. Aufgrund der wachsenden Kriminalität wurde ein neues Department innerhalb der Polizei gegründet. Kei Matoba gilt als einer der besten Polizisten von San-Teresa, jedoch ist er bekannt dafür, sich nicht besonders um Regeln zu scheren.

Bei dem Versuch eine entführte Fee zu retten, wird Keis langjähriger Partner getötet, doch viel Zeit zum Trauern bleibt Kei nicht, denn nach wie vor gilt es, diese Fee zu retten. Wenig begeistert zeigt er sich allerdings davon, dass ihm von seinem Chef sogleich eine neue Partnerin zur Seite gestellt wird. Vor allem da es sich bei Tilarna Exedilika um eine außerirdische Ritterin handelt und Außerirdischen ist Kei nicht gerade freundlich gesinnt. Diese Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch Tilarna ist von ihrem neuen Partner alles andere als angetan.

Partnerschaft wider Willen

Es nützt alles nichts, Kei und Tilarna müssen sich wohl oder übel mit ihrer Partnerschaft arrangieren. Für Streitigkeiten ist zwar eigentlich keine Zeit, doch das hält die beiden nicht davon ab, ihren Unmut aneinander auszulassen. Dennoch schaffen sie es, sich zusammenzureißen und ihre Differenzen zur Seite zu legen, um die entführte Fee zu befreien. Aus irgendeinem Grund scheint Tilarna persönlich ebenfalls viel an dem Wohlergehen dieser Fee zu liegen.

Im Zuge ihrer Ermittlungen kommen die beiden schnell einer viel größeren Verschwörung auf die Spur und sie sehen sich mit überaus gefährlichen Feinden konfrontiert: Mithilfe der Magie der Fee wurde nämlich eine spezielle Droge entwickelt, die andere in willenlose Zombies verwandeln kann und diese werden wiederum von einer speziellen Gruppierung kontrolliert. Genau so ein Untoter hat Keis Partner getötet. Des Weiteren steckt selbst das Polizeipräsidium tiefer in der Sache als gedacht und Kei weiß bald nicht mehr, wem er überhaupt noch trauen kann. So entpuppt sich gerade Tilarna als einzige, auf die er sich verlassen kann.

Bild und Animation

Cop Craft basiert auf der Light Novel-Reihe von Shōji Gatō und Range Murata, die seit 2009 in Japan veröffentlicht wird und bisher sechs Bände umfasst. Studio Millepensee, das etwa für So I’m a Spider, So What? oder für die zweite Anime-Adaption von Berserk bekannt ist, wurde mit der Umsetzung beauftragt. Die Regie führte Shin Itagaki, während Autor Shōji Gatō selbst für das Drehbuch verantwortlich war. Die insgesamt 12 Episoden wurden von Juli bis Oktober 2019 erstmals im japanischen TV ausgestrahlt. Für die deutsche Veröffentlichung konnte Anime House die Lizenz gewinnen und begann am 18. Februar mit dem Verkauf des ersten von insgesamt vier Volumes. In diesem sind die ersten drei Folgen enthalten.

Was die Animation betrifft, fällt schnell auf, dass bei der Produktion dieses Animes kein übermäßiges Budget zur Verfügung gestanden hat. Allerdings schafft es das Studio, diesen Umstand meist zu kaschieren – von den oft verwendeten Standbildern und ein paar seltsamen, nichtssagenden Kameraperspektiven einmal abgesehen. Somit ist die Animation zwar nicht überragend, aber sie erfüllt dennoch ihren Zweck und in Bewegung sehen die Bilder größtenteils flüssig aus. Das Charakterdesign von Hiromi Kimura ist hingegen vollends gelungen. Die Figuren sind einprägsam und der realistische Look der (meisten) Erdenbewohner sowie die eher dunkel gehaltene Stadt clasht hier schön mit den kräftigen, bunten Farben der Aliens. Insbesondere Tilarna wirkt fehl am Platz und das soll auch so sein. „Clashen” meine ich hier im positiven Sinne und trotz all dieser unterschiedlichen Designs bleibt gleichzeitig eine gewisse Harmonie im Bild bestehen.

Deutsche Umsetzung und Musik

Anime House hat für die deutsche Umsetzung die HNYWOOD GmbH in Heilbronn beauftragt. Die Regie führte Antonio F. Lopes während Andreas Kröneck für das Dialogbuch zuständig war. Die ersten drei Episoden gestalten sich bereits als vielversprechend und die Rollen wurden passend besetzt. Ein Highlight sind natürlich die Streitigkeiten zwischen Tilarna und Kei, deren Sprecher Sara Wegner und Christopher Kussin hier gut zusammenspielen. Die Übersetzung fängt das derbe und raue Klima des Settings perfekt ein. Bei Tilarna wurde ebenfalls darauf geachtet, dass ihre (Aus-)Sprache nicht fehlerfrei ist, was ihrer Herkunft Ausdruck verleiht. Auf der Disc ist zusätzlich die japanische Version mit deutschen Untertiteln enthalten. Diese kann ich jedem nur ans Herz legen, da allen voran Kenjiro Tsuda (Kei) und Mayu Yoshioka (Tilarna) hier eine großartige Arbeit leisten.

Was die Musik betrifft hat es Komponist Taku Iwasaki (unter anderem bekannt für den Soundtrack zu Jojo’s Bizarre Adventure: Battle Tendency) wieder einmal geschafft, vielseitige Tracks zu erschaffen. Sie bringen die unterschiedlichen Kulturen, die in San-Teresa zu finden sind, treffend zum Ausdruck und tragen maßgeblich zur Atmosphäre der Serie bei. Das Opening (Rakuen Toshi von Masayoshi Ōishi) ist genauso originell und besticht mit seinen Samba-artigen Tönen. Das Ending (Connected) wird von Tilarnas japanischer Sprecherin Mayu Yoshioka gesungen und wird teilweise in der fiktiven Sprache Farbanisch vorgetragen. Wie in der Serie selbst kann hier die Musik mehr überzeugen als die Animation, die weniger im Gedächtnis bleibt.

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Fazit

Fantasy, Science-Fiction, Polizeidrama, Kriminalgeschichte – trotz der vielen Genres, die in Cop Craft vereint werden, ergibt sich bis jetzt kein überladenes Chaos, sondern eine ausbalancierte, kohärente Geschichte. Der große Pluspunkt ist selbstverständlich die Interaktion zwischen den beiden Hauptfiguren, die einfach Spaß macht! Kei und Tilarna sind für sich allein ebenso interessante Figuren, die bereits in den ersten drei Episoden Momente spendiert bekommen, in denen sie glänzen können. Gerade was Tilarna betrifft, bleibt jedoch noch sehr viel offen und das macht Lust, mehr über sie zu erfahren. Der Schauplatz von San-Teresa sowie dessen Bewohner sind ebenso spannend. Die Atmosphäre, die sehr an Los Angeles erinnert, wird durch den vielseitigen Soundtrack verstärkt.


Die deutsche Umsetzung ist ebenfalls gelungen, sowohl was die Synchronisation als auch was die Übersetzung angeht. Hier wurden die Eigenheiten der Figuren berücksichtigt und vor allem Tilarnas Sprechweise ist gut eingefangen worden. Ein Schwachpunkt der Serie ist hingegen die Animation, die zwar meistens aber nicht immer über den Budgetmangel hinwegtäuschen kann. Dafür kann das Charakterdesign vollends überzeugen. Im Großen und Ganzen entpuppen sich die ersten drei Episoden als sehr kurzweilig. Anstatt in jeder Folge einen neuen Fall zu präsentieren, wird in demselben Vorfall ermittelt. Bereits hier lassen sich einige Twists ausmachen, somit bin ich gespannt, wie sich die Story rund um Tilarna und Kei weiterentwickeln wird.

Kurzfazit

Cop Craft vereint Fantasy/Sci-Fi mit einer Buddy Cop-Show, deren Kern-Duo zu überzeugen weiß. Das sorgt dafür, dass die ersten Folgen wie im Flug vergehen und lässt gleichzeitig über die teils schwache Animation hinwegsehen.

Bilder: © Shoji Gato, Shogakukan /STPD

Pro

  • schönes Charakterdesign
  • originelle Musik
  • kurzweilige Episoden
  • gute deutsche Umsetzung

Contra

  • Budgetmangel an Animation erkennbar
  • seltsame Kameraperspektiven
8.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: