Review: Arte – Volume 1 [Blu-ray]

Wir alle kennen das schöne Italien, eines der beliebtesten Urlaubsorte für uns Europäer. Dazu stammen viele der bekanntesten Künstler aus dem kulturgeprägten Land, wie beispielsweise Leonardo da Vinci und Michelangelo Buonarotti. Auch der neue Anime Arte spielt in derselben Epoche und behandelt das Thema Kunst; den anstrengenden Weg von Arte zur Handwerkerin. Das Anime-Label polyband anime sicherte sich die Lizenz und veröffentlicht die Serie seit dem 28. August 2020 auf DVD und Blu-ray. Patrick Snir

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Ich möchte Lehrling werden!

Wir befinden uns in Florenz zu Beginn des 16. Jahrhunderts, das in der Zeit der Renaissance in ganz Italien als die Wiege der schönen Künste, Malerei und Bildhauerei galt. Die Protagonistin Arte, eine Florentina und die Tochter einer adligen, aber eher armen Familie, ist von der Kunstmalerei besessen. Bereits als kleines Kind träumte sie davon, eines Tages eine große Malerin zu werden und zeichnete tagein, tagaus. Doch in der damaligen Zeit war es Frauen nicht gewährt, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten oder gar einen Beruf der klassischen Männerdomäne zu erlernen. Nach dem Tod ihres Vaters verbrannte Artes Mutter all ihre Kunstwerke und wollte, dass sie einen Mann heiratet und ein sicheres Leben führt. Wutentbrannt lehnt sie ihre Verehelichung ab und beschließt mit ihrem Portfolio in die Stadt zu ziehen, um Handwerkerin zu werden. Sie besucht viele lokale Ateliers, wird allerdings abgelehnt, weil sie eine Frau ist. Gedemütigt schneidet Arte ihr Haar vor allen ab und droht sogar damit, ihre Brüste abzuschneiden. Rechtzeitig trifft der mürrische und bekannte Maler Leo ein, der sie davon abhalten kann und sie vorerst bei sich aufnimmt – jedoch nicht mit der Absicht, sie als Lehrling einzustellen. Anstatt sie aufzumuntern, will er Arte beweisen, dass sie es als Lehrling nie schaffen wird. Aber Arte ist der Aufgabe mehr als gewachsen – und trotz Leos Pläne übernimmt er am Ende die junge Adlige als seine begeisterte Auszubildende.

Ein neues Leben beginnt

Endlich hat es Arte geschafft und ist fortan Leos Lehrling. Sie darf sogar im Atelier des bekannten Malers wohnen, jedoch in einem Schuppen auf dem Dach der Werkstatt, wo das Regenwasser nur so durch die Spalten der Bretter fließt. Damit Arte nicht mehr der herben Kälte ausgesetzt ist, stellt Leo ihr Geld zur Verfügung, um Material besorgen zu können, damit sie ihren Schuppen repariert. Während sie sich schon auf dem Heimweg befindet, wird ihr vom Bildhauerlehrling namens Angelo Parker geholfen, als sie über ihr Kleid gestolpert ist. Allerdings möchte sie nicht mehr wie eine Adlige behandelt oder gar als hilflos angesehen werden, weshalb sie die Hilfe von Angelo ablehnt und sich stur auf dem Heimweg macht. Eigentlich ist Arte aber gewillt, das neuste Werk von Angelos Meister Danilo zu skizzieren, was ihr beim Aufeinandertreffen mit Angelo noch nicht in den Sinn kam. Danilo aber davon zu überzeugen, zeigt sich als eines der schwierigsten Aufgaben. Das junge Mädchen scheint also noch einen harten Weg vor sich zu haben, bevor sie sich als Künstlerin beweisen kann …

Bild und Animation 

Das Bild der Anime-Serie aus dem Jahr 2019 kann mit dynamischen und warmen Farben größtenteils einen positiven Eindruck hinterlassen. Das Setting wird grandios umgesetzt und vermittelt das typische italienische Bild aus der damaligen Renaissance mit vielen historischen Details zu Kleidung, Architektur, Dekoration und sogar Kunst. Im Allgemeinen wirkt das Bild in der Blu-ray-Fassung sehr scharf und detailreich, was qualitativ hochwertig ist. Auf Blu-ray kommt das Bild im Standardformat 16:9 (1,78:1) in einer Auflösung von 1080p daher.

Darüber hinaus ist das Charakterdesign sehr hochwertig und hebt sich durch die akkuraten Konturen vom kontrastreichen Bild gekonnt ab. Dabei wird versucht, dass Strukturen, wie beispielsweise die Mimik, natürlich wirken, wodurch das Charakterdesign noch wertiger aussieht. Einzige Ausnahme hierbei ist der Bart von Leo, der für meinen Geschmack etwas zu simpel gehalten wird. Des Weiteren sind auch die Animationen bislang nicht besonders gut. Durch die überwiegend statischen Bilder fallen die Animationen negativ auf, weil kaum Bewegung im Bild ist.

Der zwölfteilige Anime Arte basiert auf dem gleichnamigen Manga von Autor Kei Ohkubo. Die Reihe wird seit 2013 mit bisher 13 Bänden in Japan publiziert. Produziert wurde der Anime im Studio Seven Arcs Pictures, das vor allem für die Trinity Seven-Reihe bekannt ist. Als Regisseur fungierte Takayuki Hamana, wohingegen Chieko Miyakawa für das Charakterdesign zuständig war. Die Serie lief von April bis Juni 2020 in Japan sowie hierzulande bei Wakanim im Originalton mit deutschen Untertiteln im Simulcast. Das Anime-Label polyband anime sicherte sich die Lizenz und veröffentlicht die Serie seit dem 28. August 2020 in drei Volumes auf DVD und Blu-ray.

Deutsche Umsetzung und Musik

Für die deutsche Umsetzung von Arte wurde die Berliner TNT Media GmbH beauftragt, bei der Patrick Keller, Manuel Chillagano, Uwe Thomsen und Daniel Gärtner das Dialogbuch verfasst haben und anschließend Patrick Keller allein die Dialogregie übernahm. Insgesamt 22 Sprechrollen waren an dem Anime beteiligt.

Von der deutschen Umsetzung bin ich nach nur vier Episoden so sehr begeistert, dass ich nichts zum aussetzen habe und ein großes Lob aussprechen muss: Angefangen beim Dialogbuch, welches einen positiven Eindruck hinterlässt, bis hin zu einem ausgezeichnetem Sprechercast. Wie im japanischen, bilden auch die deutschen Stimmen von Arte (Laura Elßel) und Leo (Jaron Löwenberg) ein stimmlich perfektes Duo, wobei ich persönlich die deutsche Stimme von Arte ein wenig zielstrebiger finde als im Original. Während Laura Elßel die Eigenschaften der selbstbewussten und starken Arte großartig rüberbringt, verleiht Jaron Löwenberg mit seiner mürrischen und dunklen Stimme dem Charakter seine passende Stimme. Selbstverständlich glänzen auch die anderen Synchronsprecher mit einer außerordentlichen Leistung und bringen gemeinsam die deutsche Umsetzung auf ein hohes Niveau. Zudem ist im Deutschen der italienische Flair ausgeprägter als im Japanischen und gewinnt ohne Ausnahme im direkten Vergleich. Für all diejenigen, die sich das Erlebnis im Original ansehen wollen, können dies mit der enthaltenen japanischen Tonspur mit deutschen Untertiteln tun.

Darüber hinaus kann die unaufdringliche orchestrale Musik mit italienischen Akzenten im Anime durchaus punkten und versetzt einen verstärkt ins damalige Italien des 16. Jahrhunderts. Außerdem harmoniert die musikalische Untermalung mit der Handlung und rundet die Serie damit ab. Das Opening und Ending können ebenfalls überzeugen.

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Fazit

Eine Frau aus adligem Hause möchte sich dem System der damaligen Zeit widersetzen und flüchtet von zu Hause, nur um ihren einzigen Traum, Malerin zu werden, erfüllen zu können. Als eine sehr starke, selbstbewusste und zielstrebige Frau lässt sie sich nicht so schnell demütigen und wird noch als Lehrling beim mürrischen Maler Leo aufgenommen. Die Serie schafft es bereits in den ersten Episoden, ein reales Alltagsdrama aus dieser Zeit zu vermitteln. Hierbei scheint es sich aber von einem kniffligen Verhältnis zwischen beiden Protagonisten zu etwas mehr zu entwickeln, was die Story ein wenig vorhersehbar macht. Gelegentlich wird die Handlung, welche die ersten 37 Kapiteln des Originals umfasst, aber auch durch Humor aufgelockert. Dabei erinnert Arte minimal an die italienische Künstlerin Artemisia Gentileschi, die damals zu eines der wenigen versierten Künstlerinnen dieser Zeit galt, obwohl es auf Anhieb Unterschiede gibt: Artemisia war im 17. Jahrhundert und nicht im 16. Jahrhundert aktiv. Zudem war sie die Tochter eines Malers und stammte nicht aus adligem Verhältnis. In Anbetracht dieses möglichen historischen Zusammenhangs, wird der Anime umso interessanter.

Während die kaum vorhandenen Animationen sehr negativ auffallen, ist das scharfe und detailreiche Bild gelungen und vermittelt mit dynamischen und warmen Farben das typische italienische Bild. Das Setting wurde grandios umgesetzt und gefällt mit verschiedenen historischen Details zu beispielsweise Kleidung und Architektur. Auch das Charakterdesign ist bislang ausgezeichnet sowie durch die natürliche Mimik hochwertig, was nur wenige Animes schaffen. Die deutsche Umsetzung sticht durch die besondere Leistung positiv hervor und der orchestrale Sound haucht mit leichten italienischen Akzenten Leben in die Handlung ein. Arte ist demnach als eine sehr ernstzunehmende Anime-Serie wahrzunehmen, die mit einer Mischung aus charmanten, tapferen und energischen Charakteren das Genre so darstellt, wie man es sich vorstellt. Auf die Fortsetzung darf man sich gespannt freuen.

Kurzfazit

Arte punktet zum Start mit einer lebhaften Handlung und einer energischen sowie sympathischen Protagonistin. Zusammen mit einem gelungenen Setting und dem grandiosen Sound ist der Drama-Anime definitiv ein Blick wert!

Bilder: ©Kei Ohkubo/COAMIX, Arte Production Committee

Pro

  • tapfere und charmante Charaktere
  • gelungene deutsche Synchronisation
  • sensationelles Charakterdesign
  • märchenhafte Handlung

Contra

  • Handlung aber etwas vorhersehbar
  • misslungene Animationen
8.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik:

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