Review: Arifureta: From Commonplace to World’s Strongest – Volume 1 [Blu-ray]

Ist es Fluch oder Segen, wenn man plötzlich mit seiner gesamten Schulklasse in eine völlig fremde Welt beschworen wird? Um dieses skurrile Geschehen geht es in der Anime-Serie Arifureta. Das Anime-Label AniMoon Publishing sicherte sich die Lizenz und veröffentlicht den Isekai-Anime seit Ende Dezember 2020 auf DVD und Blu-ray. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass man in eine andere Welt teleportiert wird? Patrick Snir

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem Review reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Rettung einer fremden Welt

Eines Tages wird der Oberschüler Hajime Nagumo, der nicht gerade der Liebling seiner Mitschüler ist, zusammen mit seiner gesamten Klasse plötzlich in eine völlig fremde Welt beschworen. Diese Welt steht wegen eines Krieges gegen Dämonen kurz vor der Zerstörung und sucht händeringend nach Helden, welche die Bewohner doch noch retten können. Daher werden alle Schüler zu Helden „geschult“ und erhalten einzigartige, heldenhafte Fähigkeiten – außer Hajime. Während er selbstverständlich von seinen Mitschülern als nutzlos abgestempelt wird, widmet er seine ganze Aufmerksamkeit der Literatur und will die fremde Welt studieren, um sich doch noch irgendwie als nützlich zu erweisen.

Während einer Mission im großen Orcus-Labyrinth werden die Schüler auf einer Ebene von einem gefährlichen Monster angegriffen und versuchen taktisch, dieses zu vernichten. Denn umso tiefer es in den Dungeon geht, desto stärker werden die Monster und verhindern die Fortführung der Mission. Hajime will in die Rolle des Helden schlüpfen und das Monster solange ablenken, bis sich alle gesammelt haben und ihre Fähigkeiten benutzen können. Allerdings wird Hajime von einem seiner Mitschüler verraten und angegriffen, sodass er abstürzt und sich nun auf der tiefsten Ebene befindet, die bisher von keinem Helden erreicht werden konnte.

Fressen oder gefressen werden!

Hajimes Angst kann man förmlich spüren: Wie durch ein Wunder hat er den Sturz überlebt und befindet sich nun auf einer Ebene umgeben von mehreren starken Tiermonstern – einem flinken Hasen, großen Bären und furchteinflößenden Wölfen. Doch wie kann er bloß so starken Monstern Paroli bieten? Mit seiner einzigen Fähigkeit, der Umwandlung fester Gegenstände, hat er nicht mal im Geringsten eine Chance gegen die Macht seiner jetzigen Feinde. Doch mit Hilfe des Götterwassers, das sich in einer Höhle befand, ist es ihm möglich, das Fleisch der Monster zu essen – ohne daraufhin zu sterben.

So versucht er, diese zu töten und anschließend zu verspeisen. Dies verleiht Hajime neue Fähigkeiten, die zuvor die Monster im Kampf gegen ihn angewandt haben. Damit könnte er es wieder an die Oberfläche und zurück zu seinen Mitschülern schaffen. Allerdings wartet das nächste Hindernis auf ihn, als er in einen Raum gelangt, in dem Yue, eine Vampirprinzessin, nach jahrhundertlanger Gefangenschaft auf die Befreiung wartet. Sie schafft es, in ihm Gefühle auszulösen und kann endlich befreit werden. Doch wer dachte, dass der Ausbruch so einfach wäre, hat sich getäuscht: Das Protagonisten-Duo erwartet eine anstrengende Herausforderung!

Bild und Animation

Die 13-teilige Anime-Serie Arifureta entstand im Studio WHITE FOX, welches für Serien wie Steins;Gate und Re:Zero bekannt ist, in Kooperation mit asread unter der Regie von Kinji Yoshimoto und basiert auf der gleichnamigen Light-Novel-Reihe von Ryo Shirakome. Zwischen Juli und Oktober 2019 wurde der Isekai-Anime in Japan ausgestrahlt und lief hierzulande bei Anime on Demand im Simulcast. AniMoon Publishing sicherte sich die Lizenz und veröffentlicht die Serie seit dem 31. Dezember 2020 in drei Volumes auf DVD und Blu-ray.

WHITE FOX kennen bereits viele Anime-Fans als solides Animationsstudio, das sein Können zur Genüge unter Beweis gestellt hat. Und auch bei dieser Anime-Adaption hat es zusammen mit asread im Großen und Ganzen akzeptable Arbeit geleistet. Besonders hervorstechen konnte das gelungene Original-Charakterdesign von Takayaki, dessen leuchtende und sanfte Gestaltung zusammen mit dem abgestimmten Kontrast wunderbar harmoniert. Auch das Setting wirkt trotz überwiegend düsterer Atmosphäre stimmig, das zusätzlich mit lebendigen Bildern aufgewertet wird.

Was aber viel zu wünschen übrig lässt sind die Animationen in dieser Umsetzung. Ein Großteil der Action-Szenen besteht entweder aus einfachen Standbildern oder nimmt die neue CGI-Technik zur Hilfe. Allen voran große Monster der Dungeons überzeugen überhaupt nicht und lassen sich schon als Fremdkörper, die nicht in diesen Anime gehören, deklarieren. Nach dynamischen Bewegungen oder ausgezeichneten Charakteranimationen sucht man vergeblich. Bislang leider ein trauriges Endergebnis für dieses Werk!

Deutsche Umsetzung und Musik

Für die deutsche Sprachfassung hat man die Violetmedia GmbH aus München beauftragt, bei der Cindy Kepke, Eleni Möller-Architektonidou und Davide Valente das Dialogbuch verfassten. Mit insgesamt zwölf Sprechrollen hat man einen super Sprechercast zusammengestellt.

Nach nur fünf Episoden lässt sich klar feststellen, dass es nur wenig an der deutschen Umsetzung auszusetzten gibt und es die beeindruckende Arbeit aller Beteiligten zu loben gilt. Selbstverständlich betrifft das ebenfalls das Protagonisten-Duo, das mit Martin Bonvicini als Hajime Nagumo und Laura Maire als Yue hervorragend besetzt wurde. Bonvicinis kräftige Einsätze und Maires zierliche Stimme lassen ihre Charaktere zum Leben erwecken, wobei ich bei Yue eine etwas jüngere Klangfarbe vermisse. Hin und wieder lassen sich jedoch einige Szenen ausmachen, die nicht lippensynchron sind.

Die Soundtracks in diesem Anime erfüllen zwar ihren Zweck und unterstützen stimmungsvoll die Handlung, aber tun sie dies mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Musikrichtung. Begleitet werden die Action-Szenen mit jazzigen Melodien, die man in so einer Serie eher weniger erwartet; schlecht sind diese natürlich keinesfalls. Darüber hinaus klingen sowohl Opening als auch Ending sehr schön und runden das Gesamtbild ab.

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Fazit

Arifureta verspricht zu Anfang sehr viel, kann aber nach den ersten fünf Episoden schon eine Menge an Defiziten aufzeigen. Wir bekommen eine durchaus interessante Story mit unglaublich sympathischen Charakteren. Jedoch muss sich die Handlung mit inkonsistentem Pacing und überstrapazierten Storymechanismen auseinandersetzten, da viele Hintergrundinformationen, welche die Charaktertiefe geprägt hätten, nicht gegeben sind. Wortwörtlich werden wir beispielsweise in Folge 1 in das Geschehen hineingeworfen und mit Action-Szenen vertröstet, bevor es in der zweiten Episode endlich Details gibt.

Und während man das gute Charakterdesign, das hervorragend mit dem Setting harmoniert, loben kann, muss man die restliche visuelle Darstellung kritisieren. Vor allem die Animationen sind unreif, was die Kampfszenen langweilig darstellt. Insbesondere die CGI-Elemente sind unbeholfen, lassen alles plastikartig und leider schlecht aussehen.

Ganz im Gegenteil die deutsche Synchronisation: Diese kann mit dem hochwertig aufgestellten Sprechercast überzeugen und muss an dieser Stelle gelobt werden. Die musikalische Untermalung ist für dieses Genre vielleicht merkwürdig, setzt aber Akzente in der Handlung. Wir werden sehen, wie sich der Isekai-Anime in den kommenden Episoden schlagen wird.

Kurzfazit

Arifureta kann bislang nicht unbedingt das Beste aus seinen Stärken machen und leidet enorm unter schlechten Produktionswerten. Doch das sympathische Protagonisten-Duo unterhält den Zuschauer und gibt Hoffnung auf mehr Tiefe in der Serie.

Bilder: ©Ryo Shirakome, OVERLAP/ARIFURETA Project

Pro

  • stillvolles Charakterdesign
  • passendes Setting
  • gelungene dt. Synchro

Contra

  • Plot mit Pacing-Problemen
  • schlechte Animation
  • CGI-Technik wirkt schwach
7.0
10
Story:
Bild und Animation:
Deutsche Umsetzung:
Musik: