Preview: The Promised Neverland – Staffel 2

Zwei Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Staffel von The Promised Neverland (jap. Yakusoku no Nebārando) ist am 7. Januar 2021 endlich die langersehnte Fortsetzung erschienen. Die insgesamt elf neuen Folgen werden hierzulande durch den Streaming-Anbieter Wakanim im Simulcast veröffentlicht. Nach ihrer Flucht aus dem Waisenhaus sind Emma und die anderen Kinder noch lange nicht in Sicherheit und müssen sich in einer ihnen feindlich gesinnten Welt durchschlagen. Ob sich das Warten auf die Fortsetzung gelohnt hat? Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Grausame Freiheit

Emma und die anderen Waisenkinder sind endlich in Freiheit. Sie konnten der Farm entkommen, in der sie als zukünftiges Essen für jene Monster, welche die Welt beherrschen, aufgezogen wurden. Doch der Preis ihrer Flucht war hoch und so waren sie gezwungen, einige Kinder vorerst zurückzulassen. Sie selbst können sich keine Verschnaufpause gönnen, denn die ersehnte Freiheit stellt sich als noch gefährlicher heraus als die Farm, da die Monster sie unter allen Umständen wieder einfangen wollen. So dauert es nicht lange, bis ihnen ihre Verfolger bereits dicht auf den Fersen sind. Als die Lage aussichtslos scheint, kommt den Kindern jedoch von unerwarteter Seite jemand zu Hilfe.

Ihre Retter Mujika und Sonju offenbaren sich dabei ebenfalls als Monster. Anders als die anderen zeigen sie jedoch kein Interesse daran, Menschen fressen zu wollen. Durch Mujika und Sonju lernen die Kinder so nicht nur das Überleben in der Wildnis, sondern sie bringen zusätzlich mehr über die Monster und die Außenwelt an sich in Erfahrung. Die Welt entpuppt sich dabei als weitaus komplexer, als die Kinder sie sich erträumt haben. An Emmas Ziel ändert dies jedoch nichts: Sie sucht weiterhin nach einem Ort, an dem alle Kinder ohne Angst vor den Monstern in Frieden leben können. Der einzige Anhaltspunkt bleibt dabei weiterhin eine mysteriöse Nachricht aus einem Buch von William Minerva. Ohne dem sicheren Wissen, ob Minerva Freund, Feind oder gar noch am Leben ist, begeben sie sich auf die Suche nach ihm. Zusätzlich haben sie sich geschworen, auch die anderen Kinder auf allen Farmen vor ihrem tödlichen Schicksal zu retten. Ob ihnen all dies gelingen wird?

Bild und Animation

The Promised Neverland basiert auf dem gleichnamigen Manga von Shirai Kaiu und Posuka Demizu. Die preisgekrönte Reihe wurde in Japan von August 2016 bis Juni 2020 veröffentlicht und ist mit 20 Bänden abgeschlossen. Im deutschsprachigen Raum erscheint The Promised Neverland bei Carlsen Manga, wobei bis jetzt 16 Bände erschienen sind. Für die zweite Staffel der Anime-Adaption ist erneut das Studio CloverWorks unter der Regie von Mamoru Kanbe zuständig, das für die Winter-Season 2021 u.a. Horimiya und Wonder Egg Priority produziert. Die erste Staffel lief von Januar bis März 2019, die Fortsetzung startete nach einer Verschiebung aufgrund der COVID-19 Pandemie am 7. Januar 2021 im japanischen TV und läuft hierzulande bei Wakanim in der japanischen Sprachfassung mit deutschen Untertiteln im Simulcast.

Für das Charakterdesign ist Kazuaki Shimada verantwortlich. Vor allem die Darstellung der Monster kann hier besonders überzeugen, denn diese sind genauso unterschiedlich gestaltet wie die menschlichen Figuren. Die Animationen an sich sind sehr flüssig und bis auf ein paar wenige Momente fielen die verwendeten CGI-Elemente ebenfalls nicht auf. Die Welt ist nicht minder detailreich gestaltet und verleiht neben der Schönheit auch der verborgenen Gefahr Ausdruck. Generell wirkt die zweite Staffel anders als die vorherige weniger realistisch, vor allem was Fauna und Flora betrifft, die deutlich fantastischer ausfällt. Insgesamt ergibt sich hier ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Synchronisation und Musik

Da die zweite Staffel hierzulande momentan nur in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln zur Verfügung steht, werde ich nur diese bewerten. Der bekannte japanische Sprechercast aus der ersten Staffel setzt seine hervorragende Arbeit fort und die neuen Figuren wurden ebenfalls passend besetzt. Nach wie vor kann mich hier insbesondere Emmas Sprecherin Sumire Morohoshi überzeugen, die Emmas Gefühle und unterschiedliche Facetten gekonnt zum Ausdruck bringt. Auch Atsumi Tanezaki als Mujika sticht positiv hervor. Ihre sanfte Art bildet einen guten Kontrast zu dem, was die Kinder und Zuseher über Monster zu wissen geglaubt haben.

Was die Musik betrifft, konnte mich bereits das Opening (Identity von Kiro Akiyama) vollends begeistern. An diesem kann ich mich weiterhin weder satt sehen noch hören. Die Szenen sind teilweise verstörend und doch strotzen sie vor entschlossener Hoffnung. Die Animation des Endings (Mahō von Myuk) bedient sich eines gänzlich anderen Artstyle und ist überaus sehenswert. Musikalisch ist es deutlich ruhiger, was noch einmal einen gelungenen Gegensatz zu den Cliffhangern bildet, mit denen die Folgen enden. Der Soundtrack wurde erneut von Takahiro Obata komponiert und ist ebenso atmosphärisch wie in der ersten Staffel. Neben bekannten Melodien wurden neue Stücke kreiert, welche das veränderte Umfeld gut wiedergeben. Gleichzeitig wird ebenso Stille treffend eingesetzt, um gewisse Momente zu unterstreichen oder Spannung aufzubauen.

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Fazit

In der zweiten Staffel von The Promised Neverland wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Monster, die in der vorigen Staffel eher im Hintergrund standen, treten nun in den Vordergrund und die Gefahr geht nun anstelle der Menschen direkt von ihnen aus. Dank Mujika und Sonju wird jedoch gezeigt, dass es sich bei den Monstern nicht nur um abgrundtiefböse Kreaturen handelt, sondern um vielschichtige Wesen, die den Menschen gar nicht so unähnlich sind.

Das schnelle Erzähltempo der ersten drei Episoden lässt diese wie im Flug vergehen. Die Welt mit seinen Bewohnern ist hierbei wunderschön animiert – von der manchmal auffälligen CGI-Technik einmal abgesehen. Die Musik tut ihr Übriges, um die Atmosphäre zu unterstreichen und die Handlung zu unterstützen. Die japanische Synchronisation ist ebenfalls mehr als gelungen.

Der Überlebenskampf der Kinder geht in der zweiten Staffel von The Promised Neverland weiter. Noch immer gilt es, einen sicheren Ort zu finden und alle anderen Kinder aus den Farmen zu befreien. Ein wenig vermisse ich allerdings den subtilen Horror, der die erste Staffel für mich so besonders gemacht hat. Dies tut der Spannung aber keinen Abbruch, die neuen Folgen sind aus meiner Sicht durchaus gelungen und die Cliffhanger machen Lust auf mehr. Ab der dritten Episode weicht die Serie hierbei beträchtlich von ihrer Vorlage ab. Es wurde ebenfalls angekündigt, dass der Anime einen eigenen Weg einschlagen wird. Ob es sich um wenige Änderungen handeln wird oder ob es zu einem vollständigen Bruch kommt, ist momentan noch nicht bekannt. Autor Shirai Kaiu ist jedenfalls selbst am Drehbuch des Anime beteiligt. Man kann also gespannt bleiben, wie sich die Serie in dieser Hinsicht entwickeln wird.

Kurfazit

Die zweite Staffel von The Promised Neverland setzt direkt nach der Flucht von der Farm an. Zwar liegt der Fokus jetzt weniger auf Horror, doch geht es nicht minder spannend weiter. Das Warten auf die Fortsetzung hat sich also mehr als gelohnt.

Bilder & Trailer: ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Pro

  • aufregende Story
  • gutes World-Building
  • gelungene Animation und Musik

Contra

  • wenig Horror
vorläufige
Bewertung: