Preview: Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation

Ein Meilenstein aus dem Isekai-Genre bekommt mit Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation (jap.: Mushoku Tensei: Isekai Ittara Honki Dasu) endlich seine Anime-Umsetzung. Am 10. Januar startete das Abenteuer rund um Rudi, der sich nach seiner Wiedergeburt in einer Welt voller Magie behaupten will, bei Wakanim im Simulcast. Ob der Anime seinen hohen Erwartungen gerecht wird? Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Eine zweite Chance

Nachdem ein 34-jähriger NEET von seiner Familie verstoßen wurde, stirbt er kurz darauf bei einem Autounfall. Aus seinem Vorsatz, sein Leben zu bessern, wird somit nichts mehr. Das denkt er zumindest, doch es soll anders kommen: Es stellte sich heraus, dass der Tod keinesfalls sein Ende bedeutet. Unter dem Namen Rudeus „Rudi” Greyrat wird der NEET nämlich in einer anderen Welt wiedergeboren und beginnt ein neues Leben als Säugling. Rudi, der sich an sein früheres Dasein erinnern kann, ist nun fest entschlossen, diese einmalige Chance zu nutzen und unter keinen Umständen die Fehler seines früheren Ichs zu wiederholen. Allerdings sind nicht all seine Ziele so nobel. Rudi hat nämlich nicht nur die Erinnerungen, sondern auch die Persönlichkeit seines älteren Ichs behalten. Somit decken sich seine Gedanken nicht immer mit dem unschuldigen kindlichen Äußeren, welches er seinem Umfeld präsentiert. Genau diese scheinbare Unschuld macht sich Rudi zunutze, um anders als in seinem früheren Leben endlich einmal bei Frauen landen zu können – oder zumindest in deren Nähe zu kommen.

Bei Rudis Streben nach einem erfolgreichen Dasein in dieser von Magie erfüllten Welt sind ihm dabei nicht nur sein erwachsener Verstand und sein spezielles Vorwissen von Vorteil. Bald schon entpuppt sich Rudis besondere Affinität zu Magie, weswegen er trotz seines jungen Alters nicht nur von seinem Vater in Kampfkunst, sondern zusätzlich von der Magierin Roxy in Magie unterrichtet wird. Rudis Kräfte scheinen dabei aber selbst die seiner Lehrerin zu übersteigen, denn um Magie zu üben, muss er nicht einmal Zauberformeln benutzen. Obwohl im nun eine beachtliche Begabung innewohnt, steht sich Rudi aber oft selbst im Weg und die Erlebnisse aus seinem früheren Leben haben ebenso ihre Spuren hinterlassen. Bei seiner Magier-Ausbildung gilt es, diese tiefsitzenden Ängste zu überwinden. Wie gut, dass ihm hier nicht nur seine Familie, sondern auch neue Freunde wie Roxy oder Sylph zur Seite stehen.

Bild und Animation

Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation basiert auf der gleichnamigen Light-Novel-Reihe von Rifujin na Magonote, die von 2012 bis 2015 in 24 Volumes als Web-Novel publiziert wurde. Während der japanische Print-Release mit Illustrationen von Shirotaka 2014 startete, steht eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum noch aus. Für die Anime-Adaption ist Studio Bind beauftragt worden; die Regie führte dabei Manabu Okamoto. Jobless Reincarnation ist das erste Werk, für welches dieses relativ junge Animationsstudio die volle Produktion übernommen hat. Seit dem 10. Januar 2021 läuft der Anime kurz nach seiner japanischen Veröffentlichung im Originalton mit deutschen Untertiteln bei Wakanim im Simulcast. Zusätzlich wird die Serie seit dem 24. Januar mit deutscher Sprachausgabe im Simuldub gezeigt.

Gleich zu Beginn fällt die Animation äußerst positiv auf. Während die „reale” Welt verregnet und dunkel dargestellt wird, ist die magische Welt alles andere als das. Dank der Verwendung kräftiger Farben, wirkt diese äußerst lebendig und die Landschaft ist wahrlich atemberaubend. Bei der Recherche zum Mittelalter wurde hier sichtlich ganze Arbeit geleistet und diese hat sich mehr als gelohnt, denn die Bilder strotzen nur so vor Details. Die Effekte, welche für die Magie eingesetzt werden, sind ebenfalls gut gelungen. Das Charakterdesign von Kazutaka Sugiyama ist für sich allein ebenfalls ansprechend, jedoch ergibt sich zusammen mit dem Hintergrund nicht immer ein ganz harmonisches Gesamtbild. Mit seiner detaillierten Darstellung wirkt die Landschaft teils wie ein Gemälde, die Figuren sind im Gegensatz zu dieser deutlich simpler dargestellt. Sie wirken dadurch vor allem im Freien manchmal vom Hintergrund getrennt.

Deutsche Umsetzung und Musik

Wakanim zeigt den Isekai-Anime seit dem 24. Januar 2021 ebenfalls im deutschen Simuldub und veröffentlicht die deutschen Folgen jeweils 14 Tage nach ihrer japanischen Erstausstrahlung. Die DMT GmbH aus Hamburg übernimmt hierbei die deutsche Umsetzung, während das Dialogbuch von Christos Topulos stammt und Martin May die Dialogregie führt. Nach nur einer Episode ist es aber schwierig, die deutsche Synchronisation fair zu beurteilen. Bis jetzt gestaltet sie sich aber als gelungen, selbst wenn momentan noch keiner der Beteiligten besonders hervorgestochen ist.

Anders verhält es sich in der japanischen Fassung. Nach drei Episoden konnten mich hier vor allem Yumi Uchiyama und Tomokazu Sugita als jeweils junger und alter (bzw. früherer) Rudi überzeugen. Tomokazu Sugita spricht zusätzlich Rudis innere Stimme, seine meist monotone Tonlage passt dabei gut zu Rudis trockenen Kommentaren und sorgt für eine nicht unwesentliche Portion Humor. Bei Rudis deutschem Sprecher Martin May vermisse ich diesen Aspekt derweil ein wenig.

So auffallend und beeindruckend die Animation ist, so unspektakulär ist hingegen die Musik von Yoshiaki Fujisawa. Sie erfüllt ihren Zweck und fällt niemals unangenehm auf, jedoch gerät sie meist zu sehr in den Hintergrund. Anders verhält es sich hingegen mit den Soundeffekten, welche für das Wirken der Magie eingesetzt werden, denn diese sind gut gesetzt und vollends gelungen. Der Anime besitzt keine typische Opening-Animation. Stattdessen wird das Opening-Lied (Tabibito no Uta) über die Szenen gespielt, welche die jeweilige Episode eröffnen. Das Ending (Only) ist hingegen klassischer. Beide Musikstücke wurden von Yuiko Oohara komponiert und sind atmosphärisch, doch auch hier ist es eher die Animation, die beeindrucken kann.

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Fazit

Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation kann als das Werk bezeichnet werden, das den Isekai-Hype ausgelöst hat. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich hier einige vertraute Elemente finden lassen, jedoch hebt sich dieser Anime trotz mancher Klischees beträchtlich von anderen Werken dieses Genres ab.

Generell zeichnet sich die Serie durch ihren Sinn für Details aus und dies betrifft nicht nur die Animation. Ein Aspekt, der aus meiner Sicht besonders gelungen ist, ist, dass am Anfang eine Sprachbarriere existierte. Weder die Zuseher noch Rudi verstehen so die Sprache, welche Rudis (neue) Eltern verwenden. Erst nachdem Rudi die Sprache erlernt hat, ist diese nicht länger unverständlich. Für mich sind es genau diese Kleinigkeiten, welche den Anime trotz des fantastischen Settings glaubhaft wirken lassen und ihn zusätzlich von anderen Serien abhebt.

Der Kontrast zwischen den beiden Welten kommt durch die Animation gut zur Geltung. Auch sonst sind Bild und Figuren schön anzusehen, lediglich das Gesamtbild harmoniert nicht immer. Die Musik ist nie unpassend, jedoch nicht ganz so hervorragend wie die Bildgestaltung. Die japanische Synchronisation ist hingegen vollends gelungen und die deutsche Umsetzung gestaltet sich derweil ebenfalls als vielversprechend.

Jobless Reincarnation zeigt, dass sich Handlung und Erzählwelt langsam entwickeln können, ohne dass Langeweile aufkommt. Durch eben dieses gemächliche Tempo bleibt genug Zeit, um sowohl Rudi als auch sein Umfeld kennen zu lernen. Dennoch gibt es in diesen ersten Folgen bereits interessante Charakterentwicklungen. Dadurch, dass Rudis früheres Leben unbeschönigt dargestellt wird, wirkt Rudi umso realistischer und trotz seiner perversen Art sympathisch. Aufgrund von Rudis mentaler Verfassung eines Mitte 30-Jährigen fällt der Anime allerdings teilweise mit fragwürdigen Szenen auf, insbesondere wenn es zu intimen Momenten oder anderweitig unpassenden Kommentaren im Zusammenhang mit den minderjährigen Figuren kommt. Wer sich an dieser Art von Fanservice, die doch einen nicht unwesentlichen Teil ausmacht, stört, wird dieser Serie vermutlich weniger abgewinnen können.

Kurzfazit

Mushoku Tensei: Jobless Reincarnation überzeugt mit einer wunderschönen, ausgereiften Erzählwelt sowie interessanten Figuren. Es handelt sich hierbei nicht um einen typischen Isekai-Anime und die Serie ist somit sicher nicht nur für Fans dieses Genres geeignet – solange man sich nicht an dem sehr eigenwilligen Humor und den (teils fragwürdigen) Ecchi-Momenten stört.

Bilder: ©Rifujinnamagonote/MFBOOKS/ Mushoku Tensei Production Committee

Pro

  • angenehmes Erzähltempo
  • interessante Welt
  • untypischer Isekai
  • wunderschöne, detailreiche Animation

Contra

  • jedoch teils kein harmonisches Gesamtbild
  • unspektakuläre Musik
  • fragwürdiger Fanservice
vorläufige
Bewertung: