Preview: Moriarty the Patriot

Hierzulande veröffentlicht Wakanim den neuen Anime Moriarty the Patriot im Originalton mit deutschen Untertiteln als Simulcast, in der wir in ein London entführt werden, das durch Kämpfe zwischen Ober- und Unterschicht in ständigem Aufruhr ist. Seit dem 11. Oktober 2020 sorgt Sherlock Holmes’ gefährlichster Gegner für Gerechtigkeit – oder jedenfalls für seine eigene Vorstellung davon. Lisa Murauer

ACHTUNG: Jegliche Aussagen in diesem PReview reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht (!) die von PattoTV und seiner Partner.


Verbrechensaufklärung der anderen Art

Eine grausame Mordserie erschüttert das London des späten 19. Jahrhunderts. Ihr sind bereits sieben Jungen zum Opfer gefallen und es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Der Fall weckt das Interesse des jungen Mathematikprofessors William James Moriarty. Bekannt für seinen genialen Verstand macht William schon bald den Serienmörder ausfindig, bei dem es sich um einen hochrangigen Adligen handelt. Bis hierhin wirkt die Serie wie eine normale Detektivgeschichte. Doch der Schein trügt. Denn anstatt den Kriminellen an die Polizei auszuliefern, entführt William ihn und offenbart ihm seine wahre Rolle: William agiert als beratender Verbrecher und steht anderen bei der Verübung ihrer Straftaten zur Seite – ohne sich dabei selbst die Hände schmutzig zu machen. So verhilft er in diesem Fall dem Vater eines der getöteten Jungen zu seiner Rache und liefert den Serienkiller an ihn aus. Anschließend vertuscht William den Mord und begeht hiermit ein schier perfektes Verbrechen.

Williams Interesse an einem perfekten Verbrechen ist allerdings nicht der einzige Grund, aus dem er sich für seine ungewöhnliche Profession entschieden hat. Genauso wie seine Brüder Albert und Louis hat William die herrschenden Zustände in London satt. Von Geburt an wird hier das ganze Leben vom eigenen Stand bestimmt. Ungleichheit und Ungerechtigkeit sind die Folge, denn die Oberschicht tut was ihr gefällt, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, während die Armen um ihr Überleben kämpfen. Gemeinsam träumen die drei Brüder davon, diese alte Welt niederzureißen und eine neue gesellschaftliche Ordnung zu erschaffen. Und dabei ist ihnen kein Mittel zu hart.

Bild und Animation

Moriarty the Patriot (jap. Yuukoku no moriaati) wird unter der Regie von Kazuya Nomura von Production I.G, Inc. produziert, das unter anderem für Guilty Crown oder Psycho Pass bekannt ist. Die erste Episode hatte am 11. Oktober seine Premiere. Seitdem zeigt Wakanim die Serie im deutschsprachigen Raum als Simulcast im Originalton mit deutschen Untertiteln. Der Anime beruht auf der gleichnamigen Vorlage von Ryōsuke Takeuchi (Story) und Hikaru Miyoshi (Illustration), welche seit 2016 in Japan erscheint und bis jetzt zwölf Bände umfasst. Carlsen Manga sicherte sich die deutschen Rechte und hat seit 2018 acht Bände herausgegeben.

Tōru Ōkubo ist für die Animation und das Charakterdesign zuständig. Während die erste Episode bereits schön animiert wenn auch etwas unspektakulär ist, kommt die wahre Stärke der Animation erst in den nächsten beiden Episoden zum Vorschein. Hier wird deutlich mehr mit Kontrasten sowie mit starken, leuchtenden Farben gearbeitet – vor allem mit Rot, das aus mehreren Gründen eng an William geknüpft ist. Besonders begeistert haben mich die dunklen Szenen, da der Anime hier mit einem interessanten Spiel mit Licht und Schatten punkten kann.

Die Landschaftsaufnahmen, insbesondere jene von London, sind ebenfalls detailreich und gut getroffen. London wirkt lebendig, es ist immer etwas los und die Figuren im Hintergrund sind sauber animiert. Persönlich finde ich es nur ein wenig schade, dass das Aussehen der Protagonisten einem Standard-Bishōnen-Design entspricht und sie deswegen wenig hervorstechen. Anders ist dies beim Design der Nebenfiguren, welches positiv hervorzuheben ist. Die Charaktere stechen durch ihr markantes Design hervor und bleiben hierdurch trotz kleiner Rolle im Gedächtnis.

Synchronisation und Musik

Moriarty the Patriot ist im deutschsprachigen Raum auf Japanisch mit deutschen Untertiteln zu sehen, daher kann ich hier nur den japanischen Sprechercast beurteilen. Allen voran die Stimmen der drei Moriarty-Brüder sind gut gewählt. Neben Saitō Sōma als erwachsener William hat mich insbesondere Shizuka Ishigami als junger William überzeugen können. Sie beide lassen William gleichsam charmant wie bedrohlich erscheinen und verleihen ihm eine einnehmende Aura.

Die Musik von Asami Tachibana ist stimmungsvoll, teils an das historische Setting angepasst und meist unaufdringlich. Unaufdringlich meine ich hier nicht negativ, denn wird der Soundtrack stärker eingesetzt, dann effektiv. Gerade diese Szenen bleiben durch die musikalische Untermalung besonders im Gedächtnis, wie etwa jener Moment in der ersten Folge, in welchem William sein wahres Gesicht zu erkennen gibt.

Das Opening DYING WISH von Tasuku Hatanaka geht schnell ins Ohr und spiegelt den düsteren Ton der Serie wider. Gleichzeitig bildet es einen guten Kontrast zu der viktorianischen Atmosphäre. Doch was dort funktioniert, gelingt beim Ending ALPHA von STEREO DIVE FOUNDATION weniger. An dem Lied an sich habe ich nichts auszusetzen, doch wirkt es einfach nur fehl am Platz und zerstört teilweise die Stimmung, insbesondere nach dem Finale der ersten Episode. Animationstechnisch sind hingegen beide Sequenzen mehr als gelungen. Wie schon in der Serie selbst wird hier viel mit Symbolen gearbeitet, ohne jedoch mit ihnen überladen zu sein.

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Fazit

Zwar hat mich die erste Folge, die eigens für den Anime geschrieben wurde, abgesehen von dem Finale noch nicht ganz begeistern können, doch hat sich das mit den beiden nächsten Episoden geändert. Das Erzähltempo funktioniert in diesen deutlich besser und die Animation wird ebenfalls stilsicherer sowie origineller. Zusätzlich wird hier nicht länger eine geradlinige Handlung präsentiert. Gerade diese Perspektivenwechsel und die Zeitsprünge sind aus meiner Sicht äußerst gelungen, da sie ein Mitdenken verlangen und die Spannung effektiv aufbauen.

Genauso effektiv wird die Musik eingesetzt, wobei hier leider das Ending etwas misslungen ist. Die Hauptfiguren sind klare Antihelden, die trotz ihrer fragwürdigen Moralvorstellungen sympathisch und vor allem interessant sind. Dies ist nicht zuletzt auch der Leistung ihrer Synchronsprecher zu verdanken. Parallelen zu den Büchern von Arthur Conan Doyle sind zu erkennen und doch bietet der Anime eine andere wie erfrischende Interpretation der Geschichten sowie der Figuren. Ich bin gespannt, wie sich die Serie weiterentwickeln wird und insbesondere auf den Auftritt von Sherlock Holmes.

Kurzfazit

Nach unzähligen Adaptionen mit Sherlock Holmes in der Titelrolle steht in Moriarty the Patriot endlich einmal Sherlocks berühmtester Gegenspieler im Rampenlicht und präsentiert eine Detektivserie der anderen Art. 

Bilder: ©Ryosuke Takeuchi, Hikaru Miyoshi / SHUEISHA, Moriarty Project 2020

Pro

  • Detektivserie mit Twist
  • wirkungsvolle Musik
  • stimmungsvolle Animation
  • originelle Sherlock-Holmes-Adaption

Contra

  • vergleichsweise schwache erste Folge
  • unpassendes Ending
vorläufige
Bewertung: